Reinhold Eckfeld – Michael Stone – Georg Stefan Troller

Unter dem Link http://www.literaturepochen.at/exil/museum_wege/index.html finden sich die Lebenswege dreier Schüler des G19, die im April 1938 vom Schulbesuch ausgeschlossen wurden.

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G19 5A Klasse 1937 38

Jüdische Schüler eines Wiener Gymnasiums 1938 und ihre Lebenswege.

Das folgende Referat wurde von Martin Krist anlässlich eines Symposiums gehalten, das vom Europa-Büro des Stadtschulrates für Wien 2007 zum Thema „Holocaust in Education“ veranstaltet wurde. Der Beitrag liegt auch in gedruckter Form vor. In: Klambauer. Karl/Seher, Herbert (Hg.), Holocaust in Education in Centrope – Spurensuche zwischen Vergessen und Erinnern. Wien 2011, S. 203 – 218.

„Früher habe ich immer die Straßenseite gewechselt, wenn ich in die Nähe der Schule kam. Heute mache ich alle meine Bekannten auf meine Schule aufmerksam.“ Diese Worte stammen von Georg Auer, einem ehemaligen Schüler des Bundesgymnasiums Gymnasiumstraße 83 im 19. Wiener Gemeindebezirk. Ihm wurde gemeinsam mit 103 anderen jüdischen und im NS-Sinn als jüdisch geltenden Schüler ab 29. April 1938 der Besuch dieser Schule untersagt. Bei einer Gesamtzahl von 349 Schülern machten die Schüler, denen der Zutritt zum BG 19 verwehrt wurde, ein schwaches Drittel aus. [...]

Lesen Sie unten den ganzen Text des Referats.

Univ. Lekt. Mag. Martin Krist

Als im Juni 2010 der Auftrag zur Umgestaltung des meist unbeachteten, in faschistischer Formensprache gestalteten Kriegerdenkmals in unserer Schule an die Kunststudenten Aldo Ernstbrunner und Stefan Klampfer ging, begann ein konstruktiver Prozess. Die Idee, beziehungsweise der ausgewählte Entwurf, sollte bestmöglich in die Realität umgesetzt werden.

Gemeinsam mit der Jury des Wettbewerbes und den Künstlern wurden offene Fragen, wie zum Beispiel die der Materialwahl einzelner Elemente innerhalb der neuen Gestaltung, immer in Relation zum Inhalt und dem Standort Schule, besprochen und gelöst. Es war allen bewusst: Bei diesem Thema, sowie bei Eingriffen in alte Bestände eines Hauses, ist Sensibilität und Fachwissen von großer Bedeutung.

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Die mit senkrechten Rillen gestaltete Wand des Hintergrundes, die auch als Umrahmung der einzelnen Bild- und Textelemente dient, war eine technische Herausforderung und nur mit professionellen Handwerkern zu bewältigen. Eine schöne Überraschung war, dass sich hinter der von ihrem alten Platz entfernten Bronzetafel eine Ziegelwand befand, so wie es im Entwurf auch vorgesehen war. Die Texttafel aus Holz ist nach alter Grundiertechnik, wie in der Malerei, behandelt. Die Schrift ist mit Siebdrucktechnik aufgebracht und deshalb von besonderer Wirkung.

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Wer den erklärenden Text verfassen sollte, stand noch nicht von Beginn an fest. Es war ein großer Gewinn für das Projekt, dass wir den Schriftsteller Doron Rabinovici als Autor gewinnen konnten. Seine Überlegungen sind durch ihre literarische Qualität ein wesentlicher Bestandteil der Installation geworden.

Das neue Denkmal, das bei der 125-Jahr-Feier am 18. November 2011 vorgestellt wurde, wirkt auf jeden/jede, der/die an ihm vorbeigeht. Aus einer Idee ist ein sichtbares Zeichen geworden, das überzeugt, ein Umdenken bewirkt und doch auch Fragen offen lässt.

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Fast wie von selbst ergeben sich durch diesen neu beleuchteten Teil der Schulgeschichte Reflexionen, die SchülerInnen aller Altersstufen bewegen. Die oft gestellte Frage, was wohl in das von Marmor umrahmte Backsteinfeld kommt, ist Teil des künstlerischen Konzeptes. Denn dass die freigelegte Backsteinwand als für sich stehendes Bild bleibt, führt meist direkt in die Thematik der umgestalteten Denkmalwand.

 
SchülerInnen und Schüler der 5B (2010/11) haben ihre Gedanken zum Denkmal formuliert:

„ … Aber welchen Bezug hat man denn zu einem Denkmal, das aus schiefgehauenen Bronzeblöcken besteht und irgendwo auf einem belebten Platz steht? Gar keinen! Man muss sich näher damit befassen. Was aber dann auch so gut wie niemand tut, weil Denkmäler einfach etwas sind, was einen nicht wirklich anspricht. Es werden vielleicht ein paar Daten aufgelistet, aber sonst passiert nicht viel. Denkmal ist wahrscheinlich die falsche Bezeichnung für ein modern gestaltetes Stückchen Geschichte. Wir sehen mehr, als wir denken, wir nehmen es vielleicht kurz wahr – und fertig. Deswegen, finde ich, wurde das neue Denkmal in unserer Schule umso besser gestaltet und besprochen. Wir haben es angeschaut, den Text dazu viele Male gelesen und dass wir jetzt darüber schreiben, zeigt ja letztendlich, wie sehr wir uns damit beschäftigen. Ich werde jetzt nicht noch einmal schreiben, worum es bei diesem Denkmal geht oder wie es verändert wurde, denn das schreibt wahrscheinlich der Großteil der Klasse. Ich will nur noch sagen, dass man aus diesen zwei Gedenktafeln oder wie man das nennen soll, wirklich etwas gemacht hat.“

schreibt Linda P.

 

Anja G. schrieb eine fiktionale, literarische Geschichte, die sich mit dem Leben eines jungen jüdischen Burschen in den Jahren nach dem so genannten „Anschluss“ beschäftigt. In ihrem Nachwort heißt es:

„Wollen wir diese Geschichte glauben? Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten die meisten Menschen das hundertprozentig abgestritten. Ich gebe zu: Die soeben geschilderte Geschichte ist frei erfunden, aber sie könnte sich so zugetragen haben, da sie auf  erwiesenen Tatsachen beruht, die immer viele Menschen nicht wahrhaben wollen. Verdrängung und Verdrehung der Fakten über diese Zeit sind der Grund dafür. Im Döblinger Gymnasium wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges eine Zusatztafel zum Kriegerdenkmal der Gefallenen des Ersten Weltkrieges hinzugefügt, die nicht ganz den Tatsachen entspricht. Darauf steht geschrieben: „Zum Gedenken der im 2. Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler“. Nun gibt es aber Lehrer und Schüler des G19, die nicht dem Krieg, sondern dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer gefallen sind. „Sie sind keine Gefallenen“, wie der Schriftsteller Doron Rabinovici in einem Kommentar richtig bemerkt, der sich mit den bisher verschwiegenen Opfern beschäftigt und der Teil der Neugestaltung des Denkmals ist. Sie wurden gedemütigt, verprügelt, vergewaltigt oder erschlagen, heißt es im Text. Und es war kein Zufall, dass niemand ihrer gedachte. Es zeigt nur wieder einmal, wie man im Nachkriegsösterreich mit den jüngsten geschichtlichen Ereignissen umzugehen versuchte. Doch um die Sache auf den Punkt zu bringen: Wer erlangt schon ein gutes Gewissen - durch Feigheit und Verdrängung?“

 

 

Ein weiteres Bespiel, diesmal ein Gedicht, stammt von Teresa B. Man kann in ihrem Text, aber auch in den oben angeführten erkennen, dass von Seiten der SchülerInnen ein Denk- und Auseinandersetzungsprozess eingesetzt hat, der zeigt, welche Wirkung von der bis zur Umgestaltung fast unbeachteten „Kriegergedenktafelwand“ nun ausgeht. Damit ist das intendierte Ziel dieser historischen und künstlerischen Intervention mit Sicherheit erreicht worden.

GEDENKEN
An alle Opfer der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts
An alle verfolgten Menschen, die in den Konzentrationslagern umgekommen sind
An Juden, die gefangen genommen, deportiert und in den Konzentrationslagern ausgerottet wurden
An alle Frauen, Kinder, die in bombardierten Kellern umgekommen sind
An alle Soldaten, die gefangen in einem System, sich den Gegnern ausliefern mussten
An alle Menschen, die verhungert, an Erschöpfung gestorben sind
An alle, die nicht unter das bereits Gesagte fallen und genauso Opfer sind

EIN DENKMAL
Denn sie hatten keine Chance zu überleben
Denn sie wurden geboren zur falschen Zeit am falschen Ort
Denn für sie galt nicht das erste Menschengrundrecht: das Recht auf Leben

GEDENKEN
An alle gewaltsam ausgelöschten Leben

EIN DENKMAL
Für die lebende Erinnerung

Mag. Lilli Kern, Mag. Martin Krist

Georg Auer  Herbert Beig  Peter Berger  Konrad Bergstein 
Wolfgang Brassloff  Felix Buchbinder  Hans Buchsbaum  Ernst Bunzl 
Rudolf Bunzl  Heinrich Delfiner  Erich Dreikurs  Reinhold Eckfeld 
Josef Ehrlich  Paul Ehrlich  Otto Engel-Jánosi   Friedrich Engelmann 
Felix Fischer  Franz Fischer  Mano Fischer  Anton Fischl 
Georg Freund  Harry Geiringer  Heinz Gelles  Hans Gerstl 
Peter Glogau  Lukas Grafe  Georg Hahn  Franz Hamburger 
Rolf Heller  Paul Hoffmann  Gerhard Holzapfel  Heinz Holzapfel
Fritz Horowitz  Kurt Huppert  Peter Jolles  Jakob Katz 
Manfred Katz  Robert Katz false Letzter  Harry Kaufmann  Peter Kaufmann 
Stephan Kerpen  Berthold Knoll  Herbert Kolmer  Franz Kornfeld 
Hans Kornfeld  Ernst Korngold  Gábor Kovács  Alfred Krässel 
Alfred Krausz  Franz Kreith  Gustav Kubie  Michael Kuh 
Ulrich Kunewälde Fritz Lantos  Georg Lederer  Josef Lederer 
Friedrich Lichtner  Peter Mattersdorfer  Thomas Mayer  Edgar Meizels 
Herbert Menasche  Kurt Menasse  Rudolf Neubrunn  Richard Neuer 
Hans Neumann  Hans Picker  Hans Wolfgang Pollak  Kurt Pollak 
Georg Prager  Paul Reisz  Rudolf Rosenfeld  Heinrich Rosenthal 
Friedrich Schab  Herbert Schablin  Ernst Schanzer  Georg Scheininger 
Erich Schiller  Klaus Schiller  Ernest Schindler  Georg Schlesinger 
Thomas Schreiber  Heinz Schulhof  Egon Schwarzstein  Ernst Schwehla 
Michael Schwind  Robert Silbermann  Ernst Silberstein  Joseph Silberstein 
Ernst Spinner  Peter Spitz  Richard Stein  Hans Steiner 
Herbert Stern  Kurt Stern  Wilhelm Stern  Heinrich Teltscher 
Paul Toch  Georg Troller  Walter Uiberall  Hermann Waldinger
Otto Walter Georg Weil Kurt Weill Franz Werber
Richard Wengraf   Otto Specht  Paul Heinsheimer   

(auf den Namen klicken um zur Biographie zu gelangen)

 

Für die Zusammenstellung wurden folgende Quellen verwendet:

  • Katalog des BG 19, Schuljahr 1937/38
  • Daten aus dem Meldearchiv des Wiener Stadt- und Landesarchives
  • Daten aus dem Projekt der „Namentlichen Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes
  • Daten aus dem Staatlichen Zentralarchiv Prag
  • Schriftliche Auskünfte der österreichischen Botschaft in Prag, der österreichischen Botschaft in Riga sowie des österreichischen Konsulates in Hamburg
  • Interviews mit Georg Auer, Wolfgang Brassloff, F. C. Engelmann, Mano Fischer, Manfred Katz, Herbert Kolmer, Kurt Menasse und Otto Walter
  • Briefliche Auskünfte von Robert Beig, E. G. Beaumont, Walter Brachtel, Rudolph H. Bunzl, Alfred Burkhardt, Henry Delfiner, Reinhold Eckfeld, Paul Ehrlich, A. M. Fisher, Felix Fisher, George Freund, Eric H. Gerstel, George Hahn, Edgar Holton, Gerald Holton, Edith Kacelnik, Harry Kaufmann, Bert Knoll, Helen G. Korngold, Frank Kreith, Eva Kubie, Federico E. Lantos, George J. Lederer, Josef Lederer, Thomas Mayer, Richard Neuer, Bernd O. Rachold, Ruth M. Reis, R. R. Russell, Frederick G. Schab, Eric Schiller, K. F. R. Schiller, George Stein, Kurt Heinz Stern, Edward S. Stevens, Henry Teltscher, Paul Toch, Georg Stefan Troller, Hermann V. Waldinger, George Weil, Erich Wejrowsky und Frank X. Werber

Für weitere Informationen zu den einzelnen Lebensläufen wäre die Schule sehr dankbar.

 

 

Georg Auer, geb. 4. August 1922 in Wien, mos., 6.A Klasse
Wohnte bis zur Arisierung der Wohnung seiner Eltern durch einen ehemaligen Mitschüler in der Pogromnacht am 10. November 1938 in der Gebhardtgasse 3/8, dann bis 10. Dezember 1938 im Keller einer Villa eines Bekannten seines Vaters in der Lannerstraße 24/2.
Er kam mit einem Kindertransport der Quäker nach Großbritannien, wurde 1940 als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Australien deportiert. Dort meldete er sich am 8. April 1942 zur australischen Armee, wurde am 10. Jänner 1946 demobilisiert und kehrte danach nach Wien zurück.
Seine Eltern wurden am 26. September 1942 in Maly Trostinec bei Minsk ermordet.
Seit 1946 arbeitet er als Journalist in Wien. Bis 1968 war er leitender Redakteur der „Volksstimme“, später war er für den ORF („Panorama“), die „Wochenpresse“ und als Motorjournalist für den „Kurier“ tätig.
Er starb am 22. Oktober 2004 in Wien.

Hebert Beig, geb. 5. Oktober 1922 in Wien, evang. H.B., 5.A Klasse
Wohnte bis 5. September 1938 in der Biedergasse 4.
Er kam gemeinsam mit seiner Mutter (sein Vater war bereits 1931 verstorben) mit einem Transport der Quäker nach Großbritannien. Nach der Internierung als „feindlicher Ausländer“ arbeitete er zunächst in der Landwirtschaft, später in der Exportabteilung einer Handelsfirma. Er kehrte am 9. September 1946 nach Wien zurück, arbeitete zunächst als Journalist bei der amerikanischen Besatzungsmacht, dann als Leiter der Exportabteilung bei Waagner-Biró und zuletzt als Versicherungskaufmann beim Anglo-Danubian-Lloyd (der späteren Donau-Versicherung).
Er starb am 27. September 1984 in Wien.

Peter Berger, geb. 17. März 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Felix Mottlstraße 50.
Sein Vater war bis 5. Oktober 1938 unter dieser Adresse gemeldet, dann mußte er in den 1. Bezirk übersiedeln. Auf dieser Meldung ist Peter Berger nicht mehr angegeben, was auf eine Emigration hindeutet. Es finden sich auch weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Konrad Bergstein, geb. 22. November 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bis 6. Juli 1938 bei seinen Eltern in der Dollinergasse 5.
Danach emigrierte er mit seinen Eltern nach Südamerika.

Wolfgang Brassloff, geb. 20. Juni 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bis zu seiner Emigration nach Großbritannien im Juni 1938 bei seinen Eltern am Freiheitsplatz 3 (während der Zeit des Austrofaschismus Dollfußplatz, heute Rooseveltplatz).
In der ersten Woche nach dem Anschluß wurde sein Vater, ein prominenter Rechtsanwalt, der der Sozialdemokratie nahe stand, verhaftet und nach drei Monaten mit der Auflage, emigrieren zu müssen, entlassen.
Wolfgang Brassloff beendete die Schule in Großbritannien, begann an der Durham University zu studieren, wurde 1940 als „feindlicher Ausländer“ interniert und ein Jahr in einem kanadischen Lager festgehalten. Danach setzte er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften fort und schloß es 1943 ab. Seine Meldung zur britischen Armee wurde aus gesundheitlichen Gründen nicht angenommen. Er übersiedelte nach London, arbeitete im „Labour Research Department“ und wurde Mitbegründer der „National Union of Austrian Students“. Kehrte im November 1945 nach Wien zurück und wurde im März 1946 Mitbegründer der „Vereinigung Demokratischer Studenten“, die vom Innenministerium ohne verfassungsrechtlich gedeckte Begründung verboten wurde. Erst nachdem die ersten Hochschülerschaftswahlen abgehalten worden waren, erreichten Brassloff und seine Kollegen die Wiederzulassung des „VDS“.
Arbeitete dann als Journalist, zunächst für Radio Wien, dann als Wirtschaftsredakteur für die „Volksstimme“, entfernte sich aber politisch immer mehr von der Parteilinie, was in den 50er Jahren zum Ende seiner Journalistentätigkeit führte. Aufgrund seiner politischen Vergangenheit sah er keine Möglichkeit, in Österreich eine akademische Laufbahn einzuschlagen, er ging deshalb noch 1960 wieder nach Großbritannien und zwar nach London. Später nahm er eine Berufung als Universitätsprofessor an die Universität von Manchester an.
Er lebte in Manchester und fallweise in Wien, wo er am 3. September 2006 starb.

Felix Buchbinder, geb. 29. November 1924 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Sieveringerstraße 34/4, ab 16. Juni 1938 bis zu seiner Emigration in die USA am 22. August 1939 in der Josefstädterstraße 29.

Hans Buchsbaum, geb. 14. April 1923 in Wien, mos., 5.A Klasse
Wohnte bis 20. September 1939 bei seinen Eltern in der Riglergasse 11.
Er emigrierte zunächst nach Buenos Aires, Argentinien, danach in die USA.

Ernst Bunzl, geb. 9. August 1921 in Wien, röm.-kath., 7. Klasse
Wohnte bis zum 24. Mai 1938 bei seinen Eltern in der Kreindlgasse 4.
Er emigrierte danach nach Manchester, Großbritannien. Studierte im Sinne der Familientradition in Manchester und London Papiertechnologie. Wurde 1940 als „feindlicher Ausländer“ interniert, trat aber bereits im September 1940 dem „Pioneer Corps“ der britischen Armee bei. Sein Name wurde aus Schutzgründen in Ernest George Beaumont umgewandelt. 1944 nahm er als Angehöriger der 53. Infantry Division an der Landung in der Normandie teil. Im Juli 1946 wurde er demobilisiert, beendete danach in London sein Studium und trat in den kleinen Firmenzweig seiner Familie in England ein. Heute zählt diese Firma zu den 150 größten Unternehmen in Großbritannien.
Ernest George Beaumont lebt in New Malden, einem Vorort von London.

Rudolf Bunzl, geb. 20. Juli 1922 in Wien, mos., 6.A Klasse
Wohnte bis zum 21. Juni 1938 bei seinen Eltern in der Weimarerstraße 100.
Er emigrierte wie sein Cousin Ernst Bunzl nach Großbritannien und kam am 22. Juni 1938 in London an. Seinen Schulbesuch setzte er in Cranbrook, Kent bis zur Internierung als „feindlicher Ausländer“ im Mai 1940 fort. Seine Eltern entschieden daraufhin, daß er so schnell wie möglich in die USA emigrieren sollte. Wegen der Wartezeit auf die Einreisevisa für die USA fuhr die Familie im Juli 1940 nach Rio de Janeiro, Brasilien, und blieb dort drei Monate. Im Oktober 1940 gelangte er in die USA, studierte in Georga, Atlanta, Chemietechnik und arbeitete im Anschluß an sein Studium für die Shell Chemical Corporation. 1944 wurde er amerikanischer Staatsbürger und gehörte von 1944 bis 1946 der US-Army an. 1954 war er in Richmond, Virginia, Mitbegründer der American Filitrona Corporation. Er lebt heute unter dem Namen Rudy H. Bunzl in Richmond, Virginia.

Heinrich Delfiner, geb. 19. April 1922 in Wien, mos., 6.A Klasse
Wohnte bis 12. März 1938 bei seinem Vater in der Peter Jordanstraße 35. Sein Vater war im März 1938 zufälligerweise im Ausland. Er rief ihn und seine Schwester am Abend des 11. März aus der Schweiz an, um ihnen zu sagen, daß sie am nächsten Tag den ersten Zug in die Schweiz nehmen sollten, was beide auch taten. Nach einigen Monaten in der Schweiz und in Frankreich emigrierte Heinrich Delfiner im November 1938 in die USA, wo er auch die Schule beendete. Im Oktober 1942 wurde er in die US-Army eingezogen, der er bis 1946 angehörte. Das letzte Jahr seiner Dienstzeit war er als Intelligence Officer in Wien stationiert. 1949 bis 1955 kam er wieder nach Wien, um die Firma Herzmansky, die seinem Vater gehörte, zu leiten. 1955 bis 1956 war er wieder in den USA, um dann bis 1961 zwei Fabriken des Herzmansky-Konzerns zu leiten (Das Kaufhaus Herzmansky selbst hatte sein Vater 1956 an den deutschen Hertie-Konzern verkauft). 1961 kehrte er in die USA zurück, wo er International Affairs studierte und später Universitätsprofessor für International Relations in Boston wurde.
Er lebte unter dem Namen Henry Delfiner in Lexington, Massachusetts.

Erich Dreikurs, geb. 10. Juli 1921 in Wien, konfessionslos, 7. Klasse
Wohnte bis 18. April 1938 bei seinen Eltern in der Philippovichgasse 2 - 4/6/II/5.
Sein Vater war der Psychoanalytiker Dr. Rudolf Dreikurs. Er emigrierte mit seinem Sohn in die USA. Erich Dreikurs übte zunächst Gelegenheitsjobs aus, studierte Psychologie an der University of Chicago und gehörte von 1941 bis 1945 der US-Army an. Nach seiner Demobilisierung studierte er von 1946 bis 1950 Klinische Psychologie an der University of Illinois. Danach übersiedelte er nach Los Angeles und arbeitete als Psychologe in seiner Privatpraxis.
Erich Dreikurs ist im Mai 1984 in den USA verstorben.

Reinhold Eckfeld, geb. 25. September 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bis August 1939 bei seiner Mutter in der Döblinger Hauptstraße 34/13.
Er wurde in der Pogromnacht am 10. November 1938 verhaftet und mißhandelt. Da er noch nicht 18 Jahre alt war, wurde er wieder freigelassen und entging so der Überstellung in ein Konzentrationslager. Seine Mutter erhielt im August 1939 eine Einreisebewilligung für Großbritannien, da sie dort als Haushaltsgehilfin Arbeit finden konnte. Ihr wurde auch gestattet, ihn und seinen Bruder Waldemar, der 1935 am BG 19 maturiert hatte, mitzunehmen. Am 27. August 1939 kamen sie in London an. (Sein Vater starb noch 1940 vor den großen Deportationen im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde Wien am Währinger Gürtel 97, dem „Rothschild-Spital“.) Bis Juni 1940 hielt er sich in Nordirland auf, danach wurde er als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Australien deportiert. Am Tag seiner Entlassung aus dem Internierungslager, dem 5. März 1943, trat er in die australischen Armee ein, der er bis November 1946 angehörte. Bereits während seiner Armeezeit studierte er an der Technischen Hochschule in Melbourne. Später setzte er das Studium neben seiner beruflichen Tätigkeit in einem Architekturbüro fort. Danach ging er in den Staatsdienst.
Heute lebt er in Mount Waverley, einem Vorort von Melbourne.

Josef Ehrlich, geb. 15. März 1921 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bis zu seiner Emigration in die Tschechoslowakei im August 1938 bei seinen Eltern in der Nedergasse 12.
Er dürfte, da er keinen Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Prag aufnahm, sofort in ein weiteres Land emigriert sein. Es finden sich auch weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Paul Ehrlich, geb. 26. Februar 1923 in Wien, mos., 5.A Klasse
Wohnte bis zum September 1938 bei seiner Mutter in der Weimarerstraße 22.
(Sein Vater Dr. Jakob Ehrlich war Mitglied der Wiener Bürgerschaft - so lautete der Name des Wiener Gemeinderates in der Zeit des Austrofaschismus - und Vizepräsident der Jüdischen Kultusgemeinde. Er wurde am 20. März 1938 verhaftet und mit dem sogenannten „Prominententransport“ am 1. April 1938 ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort wurde er am 17. Mai 1938 ermordet und gilt als erster ermordeter Österreicher in Dachau.)
Am 23. September 1938 emigrierte er mit seiner Mutter nach London, im März 1940 gingen sie in die USA. Dort studierte er Chemie in New York. 1944 bis 1946 war er Angehöriger der US-Army, studierte nach seiner Demobilisierung an der University of Wisconsin, schlug die akademische Laufbahn ein und wurde Universitätsprofessor für Chemical Engineering an der University of Buffalo.
Er lebte in den USA in Lebanon, New Hampshire, wo er vor einigen Jahren verstarb.

Otto Engel-Jánosi, geb. 6. Februar 1922 in Wien, mos., 6.A Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Kreindlgasse 1b, im Dezember 1938 in der Billrothstraße 31 und emigrierte danach nach Shanghai.
Er lebt heute in Kanada in Willowdale, Ontario.

Friedrich Engelmann, geb. 10. Juli 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bis 8. Juli 1938 bei seinen Eltern in der Dollinergasse 5.
Er emigrierte im Juli 1938 mit seinen Eltern nach Santa Monica in den USA, er beendete dort die Schule und begann Political Science zu studieren. Vom Februar 1943 bis Februar 1946 war er Angehöriger der US-Army und in Europa als „Feindaufklärer“ eingesetzt. Nach der Demobilisierung kehrte er in die USA zurück und studierte an der Yale University in New Haven. Er unterrichtete dann in einer Kleinstadt, ehe er 1959 ein Stipendium der Rockefeller-Stiftung bekam und ein Jahr in Österreich wissenschaftlich tätig war. Danach wurde er an die University of Alberta in Edmonton in Kanada berufen, wo er als Universitätsprofessor für Politologie arbeitet. Bis heute ist er Vorsitzender der kanadischen Politologenvereinigung.
Er lebte unter dem Namen F.C. Engelmann in Edmonton, Alberta, Kanada, wo er am 7. November 2008 starb.

Felix Fischer, geb. 31. Dezember 1927 in Wien, mos., tschechoslowakischer Staatsbürger, 1. Klasse
Wohnte mit seinen Eltern in der Gymnasiumstraße 56/11.
Er wurde am 1. April 1938 von der Schule abgemeldet, emigrierte mit seiner Familie nach Bratislava, ging 1939 für drei Monate nach Luzern in der Schweiz und im August 1939 nach England. Dort beendete Felix Fischer die Schule und studierte anschließend Textildesign. 1947 übersiedelte er nach Los Angeles, USA, wo er sein eigenes Geschäft für Handmalereien und persönliche Geschenkartikel aufbaute.
Er lebt heute unter dem Namen Felix Fisher in North Hollywood, California.

Franz Fischer, geb. 22. September 1924 in Wien, mos., 3. Klasse.
Wohnte bei seiner Mutter in der Feilergasse 5.
Bei ihm konnten aufgrund seines häufig vorkommenden Namens und der Tatsache, daß sein Vater schon vor dem Eintritt ins BG 19 verstorben war, wodurch uns sein Vorname und Beruf unbekannt blieb, leider keine weiteren Daten - auch nicht aus dem Meldearchiv des Wiener Stadt- und Landesarchives - ermittelt werden.
Er ist aber in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes nicht erfaßt, was auf eine Emigration hinweist.

Mano Fischer, geb. 9. Juni 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bis 31. Juli 1938 im Heiligenstädterhof 7/6 (Karl-Marx-Hof).
Nach der Kündigung aller jüdischer Gemeindewohnungsmieter Wiens wohnte er mit seinen Eltern in einem Lagerraum eines Schweinemastbetriebes in der Pyrkergasse 9/3.
Seinem Vater gelang im April 1939 die Emigration nach Shanghai. Er wollte seine Familie später nachholen, doch verhinderte dies der Ausbruch des Krieges.
1942 wurde Mano Fischer von der SS gemeinsam mit seiner „arischen“ Mutter, die ihn freiwillig begleitete, in das „Sammellager“ Kleine Sperlgasse 2a gebracht. Von dort gingen die Deportationen nach Minsk und Riga, was die sichere Ermordung bedeutete. Durch einen Zufall gelang es den beiden, aus dem Lager zu entkommen. Ab diesem Zeitpunkt mußte er ohne Ausweispapiere, Lebensmittelkarten u.ä. und in ständiger Angst vor der Verhaftung als „U-Boot“ überleben. Aufgrund des Entgegenkommens eines Beamten des Arbeitsamtes erhielt er 1943 ein Arbeitsbuch, mit dessen Hilfe er fast bis zum Kriegsende in einer Weberei in Klosterneuburg arbeiten konnte. Seine Mutter und er behielten die „Unterkunft“ in der Pyrkergasse bei. Wenige Tage vor der Befreiung Wiens durch die Rote Armee wurde seine Mutter von einer der letzten Fliegerbomben, die auf Wien fielen, getötet. Er selbst war Anfang 1945 an Angina erkrankt - er konnte in der Zeit seines „U-Boot-Daseins“ keinen Arzt aufsuchen - und bekam wegen seiner eitrigen Mandeln eine Sepsis, die für ihn fast tödlich endete.
Sein Vater kehrte einige Zeit nach Kriegsende aus Shanghai zurück, bekam seinen arisierten Druckereibetrieb rückerstattet, und Mano Fischer trat in die Druckerei seines Vaters ein. Später übernahm er sie und leitet sie bis heute.
Er lebt in Wien.

Anton Fischl, geb. 5. September 1923 in Wien, mos., tschechoslowakischer Staatsbürger, 4. Klasse
Wohnte bis 12. März 1938 in der Sternwartestraße 72.
Sein Vater war an diesem Tag in Paris (seine Mutter war 1937 verstorben). Anton Fischl wurde am Abend mit dem Auto nach Preßburg gebracht und fuhr am nächsten Tag mit dem Zug nach Prag. Dort besuchte er das Stephansgymnasium. Am 26. Februar 1939 emigrierte er weiter nach Großbritannien, beendete die Schule und begann, im Herbst 1941 in Cambridge Naturwissenschaften zu studieren. Im Jänner 1944 wurde er zur britischen Armee eingezogen und gehörte ihr als Infanterieoffizier an. Nach der Demobilisierung arbeitete er für Unilever und war für Werbung und P.R., hauptsächlich in England, aber einige Jahre auch in den Niederlanden (1949 bis 1955), zuständig. Ende der 50er Jahre wurde die Fabrik seines Vaters - „M. Fischl´s Söhne“ - in Klagenfurt an den Mautner-Markhof-Konzern verkauft.
Er lebte unter dem Namen A.M. Fisher in Chislehurst, Kent, Großbritannien, und ist 2008 verstorben.

Georg Freund, geb. 6. August 1927 in Wien, mos., tschechoslowakischer Staatsbürger, 1. Klasse
Wohnte bis August 1938 bei seiner Großmutter (seine Eltern waren verstorben) in der Weimarerstraße 98.
Er emigrierte nach Brünn und war ab 29. August 1938 in Prag gemeldet. Nach dem Abschluss des „Münchner Abkommens“ entschließen sich seine Großeltern, ihn zu Verwandten in die USA zu schicken. Seine Großeltern werden in Auschwitz ermordet.
Er studiert am Massachusetts Institute of Technology, spezialisiert sich auf den Bereich der Nukleartechnologie und wird 1973 Vizepräsident und Manager des Idaho National Engineering Laboratories, später Manger des Idaho Falls Office of Science Applications.
Er lebt heute in Idaho.

Harry Geiringer, geb. 27. November 1924 in Wien, evang. A.B., 4. Klasse
Wohnte mit seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 62.
Er emigrierte 1939 nach Italien, war bei Kriegsbeginn in San Remo und verbrachte den Großteil der Kriegszeit in Mailand. 1944 wurden er und seine Mutter von italienischen Partisanen über die Grenze in die Schweiz gebracht. Dort verbrachte er ein halbes Jahr in einem Internierungslager in der Nähe von Locarno und kehrte bei Kriegsende nach Mailand zurück. 1948 ging er nach New York, wo er als Buchsachverständiger arbeitete.
Er lebt heute in Elmhurst, New York.

Heinz Gelles, geb. 12. April 1925 in Wien, mos., polnischer Staatsangehöriger, 2. Klasse
Wohnte mit seinen Eltern bis Juni 1939 in der Angernhoffgasse 8, dann bis zu seiner Emigration in die USA am 25. Mai 1941 in der Judengasse 7.

Hans Gerstl, geb. 2. November 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte mit seinen Eltern in der Billrothstraße 47.
Er emigrierte zunächst im Juni 1938 nach Schottland, beendete dort die Schule und ging im Juni 1940 in die USA. Dort war er mit Ausnahme der Kriegsjahre bis zu seiner Pensionierung in der Textilindustrie tätig.
Heute lebt er unter dem Namen Eric H. Gerstel in Salisbury, Connecticut.

Peter Glogau, geb. 18. April 1923 in Wien, röm.-kath., 5.A Klasse
Wohnte bis 1. August 1939 bei seinen Eltern in der Kreindlgasse 20.
Er emigrierte nach Großbritannien.

Lukas Grafe, geb. 16. März 1921 in Wien, röm.-kath., 7. Klasse
Wohnte abwechselnd bei seinem Vater in der Neudeggergasse 7 und bei seiner Mutter in der Pötzleinsdorferstraße 25/1.
Er emigrierte am 20. Oktober 1938 nach Oxford in Großbritannien. 1951 lebte er noch dort, wie im Jahresbericht des BG 19 für das Schuljahr 1950/51 vermerkt ist.

Georg Hahn, geb. 31. Jänner 1926 in Wien, mos., 2. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Chimanistraße 21.
Er flüchtete mit einem Kindertransport am 4. Jänner 1939 nach Den Haag in den Niederlanden, wo er ungefähr ein Jahr verbrachte. Später gelang es seinen Eltern zu emigrieren und gemeinsam kamen sie in die USA.
Er studierte an den Universitäten von Stanford und Berkely Biophysik und wurde an der Stanford School of Medicine Universitätsprofessor.
Er lebt heute unter dem Namen George Hahn in den USA.

Franz Hamburger, geb. 2. Juni 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 56.
Er emigrierte am 1. Oktober 1938 nach Zürich.

Rolf Heller, geb. 16. Juni 1923 in Wien, mos., 5.A Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Reithlegasse 3, ab 30. April 1938 bis zu seiner Emigration nach London am 1. Juli 1938 in der Pension Bettina in der Hardtgasse 32.
Sein Vater war der Besitzer der Schokoladenfabrik Heller.

Paul Hoffmann, geb. 19. Juli 1923 in Wien, evang. A.B., 5.A Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Silbergasse 36.
Er emigrierte am 1. September 1938 nach Paris. Am 2. Juni 1942 wurde er vom „Sammellager“ Drancy bei Paris mit dem Transport Nummer 2 nach Auschwitz deportiert, wo er am 7. Juni 1942 ankam. Paul Hoffmann wurde in Auschwitz ermordet. In den Sterbebüchern von Auschwitz ist der 9. August 1942 als sein Todestag angegeben.

Gerhard Holzapfel, geb. 23. Mai 1922 in Berlin, mos., 6.A Klasse
Wohnte bis 27. Februar 1939 bei seinen Eltern in der Säulengasse 5.
Er emigrierte nach Großbritannien und später in die USA. Dort studierte er und schlug die akademische Laufbahn ein. Er lehrt bis heute an der Harvard University Physik und Wissenschaftsgeschichte.
Heute lebt er unter dem Namen Gerald Holton in den USA in Cambridge, Massachusetts.

Heinz Holzapfel, geb. 24. Dezember 1923 in Berlin, mos., 5.A Klasse
Wohnte bis 27. Februar 1939 bei seinen Eltern in der Säulengasse 5.
Danach emigrierte er gemeinsam mit seinem um ein Jahr älteren Bruder Gerhard, der das BG 19 eine Klasse ober ihm besucht hatte, mit einem Kindertransport der Quäker nach Großbritannien. 1940 gelang seinen Eltern die Emigration in die USA und sie holten ihre Kinder dorthin nach. Er setzte seine Schulausbildung bis zu seinem 18. Geburtstag fort, wurde dann zur US-Army eingezogen und kämpfte in einem Panzerregiment in Frankreich, Holland und Deutschland. Nach Kriegsende war er bis Mai 1946 als Dolmetschoffizier in Frankfurt und Nürnberg tätig. Danach setzte er sein Studium in New York fort und lebt seit 1949 unter dem Namen Edgar Holton in San Francisco, California, USA.

Fritz Horowitz, geb. 3. Mai 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Geistingergasse 1/4 (Karl-Marx-Hof).
Nach der Kündigung aller jüdischen Gemeindewohnungsmieter Wiens im Juli 1938 wohnte er bis 24. Februar 1939 in der Heiligenstädterstraße 83.
Er emigrierte nach New York, änderte seinen Namen auf Fred Howard und kam als US-Soldat 1945 nach Wien.
Er ging in die USA zurück und starb 1989 in New York..

Kurt Huppert, geb. 14. Juli 1922 in Wien, röm.-kath., 6.A Klasse
Wohnte bis 12. Dezember 1938 bei seinen Eltern in der Grinzingerstraße 137/1.
Er emigrierte nach Großbritannien.

Peter Jolles, geb. 9. Oktober 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bis 21. Juni 1938 bei seinen Eltern in der Gymnasiumstraße 79.
Er emigrierte nach Italien und überlebte entweder in einem Internierungslager oder konnte in ein weiteres Land flüchten. Jedenfalls findet sich sein Name nicht in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Jakob Katz, geb. 16. November 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Sieveringerstraße 97/II, ab November 1938 in der Wollzeile 15.
Er emigrierte im Dezember 1939 nach Palästina und lebt heute in Israel.

Manfred Katz, geb. 15. Juni 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 52/III/9.
Er emigrierte im November 1938 nach Palästina. 1942 bis 1946 leistete er als Mechaniker Militärdienst bei der „Royal Air Force“. Nach der Demobilisierung studierte er bis 1948 Ingenieurwesen in Turin. Bei Ausbruch des ersten israelisch-arabischen Krieges 1948 wurde er nach Israel zurückgerufen und leistete bis 1949 Militärdienst bei der israelischen Luftwaffe. Danach war er in der Tourismusbranche tätig.
Er lebt heute in Tel Aviv, Israel.

Robert Katz false Letzter, geb. 11. April 1926 in Wien, mos., 2. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern am Döblinger Gürtel 10, ab November 1938 bis zu seiner Emigration im August 1939 nach Italien in der Währingerstraße 63.
Die Familie überlebte entweder in einem italienischen Internierungslager oder konnte in ein weiteres Land flüchten. Es finden sich auch weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Harry Kaufmann, geb. 2. August 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte mit seinen Eltern zunächst in der Silbergasse 19, ab Mai 1938 in der Gonzagagasse 14/3/18.
Er setzte den Schulbesuch in Wien fort, besuchte bis zu dessen Schließung mit Ende des Schuljahres 1938/39 das Chajesrealgymnasium und danach eine jüdische Hauptschule im 3. Bezirk.
Am 21. Jänner 1941 gelang seiner Familie die Auswanderung nach Jugoslawien. Nach der Besetzung Jugoslawiens durch deutsche Truppen und der Schaffung eines kroatischen Satellitenstaates wurde seine Familie in Draganici, einem Lager der kroatischen Ustascha, interniert. Durch einen Zufall gelang die Ausreise nach Italien und damit das Entkommen vor der sicheren Ermordung. In Italien wurde seine Familie in zwei Internierungslagern, Ferramonti und Bomba, festgehalten. Nach der Okkupation Nord- und Mittelitaliens durch deutsche Truppen 1943 half er internierten alliierten Kriegsgefangenen, die sich versteckt hielten. Eine kurze Zeit leistete er Militärdienst für die kanadische Armee in Italien. Nach Kriegsende ging er nach Mailand und maturierte 1948. Im Dezember 1949 emigrierte er in die USA und begann Psychologie zu studieren. Er schlug die akademische Laufbahn ein und erhielt eine Professur, zuletzt an der City University of New York.
Er lebt heute in Dobbs Ferry, New York.

Peter Kaufmann, geb. 8. Jänner 1924 in Prag, evang. H.B., tschechoslowakischer Staatsbürger, 4. Klasse
Wohnte bis März 1938 bei seinen Eltern in der Haubenbiglstraße 9.
Er emigrierte mit seinen Eltern nach Prag, wo die gesamte Familie ab 21. März 1938 gemeldet war. 1943 wurde der ganzen Familie die Staatsangehörigkeit des Protektorates und das Heimatrecht entzogen, was auf eine rechtzeitige Flucht ins Ausland hindeutet. Jedenfalls finden sich weder sein Name noch der seines Vaters in der Datenbank des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes, und auch das Staatliche Zentralarchiv in Prag führt seinen Namen nicht auf den Listen der Häftlinge von Konzentrationslagern.

Stephan Kerpen, geb. 21. Juni 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 77, ab Dezember 1938 in der Jägerstraße 20.
Im März 1939 emigrierte er mit seinen Eltern über Triest nach Großbritannien.
Er starb Anfang 1943 in Nottingham bei einem Autounfall.

Berthold Knoll, geb. 8. Februar 1923 in Wien, mos., 5.A Klasse
Wohnte mit seinen Eltern in der Krottenbachstraße 97.
Sein Vater war gemeinsam mit seinen drei Brüdern Inhaber einer Elektromotorenverkaufs- und -betriebsgesellschaft und eines Jutegeschäftes. Beide Betriebe wurden arisiert. Der Vater Berthold Knolls wurde in der Pogromnacht vom 10. November 1938 verhaftet und so stark mißhandelt, daß er an den Verletzungsfolgen am 19. November 1938 im AKH verstarb. Seine Mutter konnte sich in der Folge die Wohnung nicht mehr leisten, und sie mußten gemeinsam mit Verwandten eine Wohnung in der Hammer-Purgstall-Gasse 3/6 beziehen. Im Dezember 1938 gelang es Berthold Knoll, illegal in die Schweiz zu entkommen. Da er keine Ausweispapiere besaß, wurde er in Basel verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert. Dies geschah zufälligerweise zu Weihnachten 1938, deshalb wies ihn die Gestapo lediglich an, nach Wien zurückzukehren. Im Frühjahr 1939 gelang es seiner Mutter nach Großbritannien zu emigrieren, wo sie einen Haushälterinnenposten bekommen konnte. Am 12. Juni 1939 kam Berthold Knoll mit einem der letzten Kindertransporte nach England. 1940 wurde er als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Kanada ins Internment Camp Quebec City verschifft. Dort erkrankte er nach drei Jahren an Tuberkulose und verbrachte die nächsten fünf Jahre in Militärspitälern und Heilanstalten. Mittels eines Fernkurses erlernte er Buchhaltung, arbeitete nach seiner Genesung im Import- und Exportgeschäft und war Mitbegründer einer Niederlassung der Klöckner-Humboldt-Deutz A.G. in Montreal.
Er lebt heute in Kanada in Ottawa, Ontario.

Herbert Kolmer, geb. 5. Februar 1926 in Wien, evang. H.B., 2. Klasse
Wohnte bis November 1938 bei seiner Mutter (sein Vater war schon früher verstorben) in der Vegagasse 15/4.
Er emigrierte danach mit einem Kindertransport der Quäker nach Großbritannien und setzte dort seinen Schulbesuch fort. Er hätte aufgrund seiner Leistungen 1940 ein Stipendium für Cambridge bekommen sollen, doch wurde ihm das als „feindlichem Ausländer“ nicht mehr zuerkannt. Er meldete sich 1943 als einer der jüngsten Österreicher zur britischen Armee, wurde aber nicht eingezogen, da er in einem kriegswirtschaftlich wichtigen Betrieb arbeitete.
Seine Mutter wurde ins KZ Theresienstadt deportiert und später in Minsk ermordet.
Im Herbst 1946 kehrte er nach Wien zurück, legte zunächst die Matura ab und begann dann Philosophie und Dolmetsch für Englisch zu studieren, promovierte und arbeitete als Diplomdolmetscher und Fachübersetzer.
Er starb am 15. Juni 1998 in Wien.

Franz Kornfeld, geb. 10. März 1922 in Wien, konfessionslos, 6.A Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Julienstraße 38.
Er emigrierte am 11. Dezember 1938 nach Großbritannien.
Ab 1951 lebte er unter dem Namen Frank Jodok Kornfeld in Sydney, Australien, wie im Jahresbericht des BG 19 für das Schuljahr 1950/51 vermerkt ist.

Hans Kornfeld, geb. 10. November 1920 in Wien, konfessionslos, 8. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Julienstraße 38 und ist der Bruder von Franz Kornfeld.
Er konnte mit seiner Mutter im Juli 1939 nach Schweden emigrieren. (Sein Vater wurde im Ghetto von Lodz oder im KZ Chelmno ermordet.)
Heute lebt er in Schweden.

Ernst Korngold, geb. 9. März 1925 in Wien, konfessionslos, 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Sternwartestraße 35.
Seine Eltern befanden sich am 12. März 1938 nicht in Wien, sondern sie hielten sich in Hollywood auf. Sein Vater, der Komponist Erich Wolfgang Korngold, erhielt eine Wiedereinreiseerlaubnis für seinen Sohn und konnte ihn am 25. März aus Zürich, wohin er mit seinen Großeltern am 13. März geflüchtet war, in die USA holen.
Von 1943 bis 1945 diente er in der US-Marine. Er studierte an der University of Colorado in Boulder, an der University of California in Los Angeles und in Northridge. Danach arbeitete er in Hollywood an der Verfilmung von Musicals und unterrichtete Schauspiel in Los Angeles.
Er lebte zuletzt in Portland, Oregon in den USA, wo er am 23. November 1996 verstarb.

Gábor Kovács, geb. 17. März 1920 in Budapest, mos., jugoslawischer Staatsbürger, 8. Klasse
Wohnte bis 28. Oktober 1938 bei seiner Mutter in der Heiligenstädterstraße 131.
Er emigrierte nach Belgrad und kam vermutlich entweder in einem Ustascha-Lager, als Geiselopfer der deutschen Wehrmacht oder schon bei der Bombardierung Belgrads ums Leben.

Alfred Krässel, geb. 23. März 1919 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bis April 1940 bei seinen Eltern in der Alserstraße 22.
Danach gelang ihm die Emigration mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester nach Lima in Peru. Er studierte an der San Marcus Universität in Lima Ökonomie, setzte seine Ausbildung in den USA fort und wurde Universitätsprofessor an der Seton Hall University.
Er lebte in West Orange, New Jersey, wo er in den 1990er starb.

Alfred Krausz, geb. 25. Mai 1923 in Wien, mos., 5.B Klasse
Wohnte bei seiner Mutter (sein Vater war verstorben) in der Pyrkergasse 7.
Er emigrierte am 10. August 1938 in die USA.

Franz Kreith, geb. 15. Dezember 1922 in Wien, mos., 6.A Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Sieveringerstraße 20.
Er emigrierte 1938 gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester mit einem Kindertransport nach Großbritannien, seine Eltern und sein jüngerer Bruder blieben noch in Wien und emigrierten später in die USA, wohin ihnen auch Franz Kreith nachfolgte. Dort studierte er Wärmeübertragung und Thermodynamik und war in den 60er Jahren im Rahmen des US-Raumfahrtsprogramm an der Entwicklung von Raketenmotoren beteiligt. Er war Professor an der University of California und an der Unversity of Colorado in Boulder. In den letzten Jahren beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten der Nutzung von Solarenergie.
Er lebt heute unter dem Namen Frank Kreith in Boulder, Colorado.

Gustav Kubie, geb. 9. September 1922 in Wien, mos., tschechoslowakischer Staatsbürger, 6.A Klasse
Wohnte bis 5. September 1938 bei seinen Eltern in der Kreindlgasse 25.
Danach emigrierte er in die Tschechoslowakei, war in Karlsbad/Karlovy Vary gemeldet und konnte am 16. März 1939 nach Großbritannien flüchten. Dort diente er von 1942 bis 1945 in der britischen Armee und kehrte nach Kriegsende in die Tschechoslowakei zurück. Er lebte in Prag, studierte Chemie und war in der wissenschaftlichen Forschung tätig. 1968 arbeitet er an der Universität von Albany, New York und entschließt sich nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ nicht in die Tschechoslowakei zurückzukehren. Er lebt mit seiner Familie zunächst in Deutschland, wo er in Münster lehrt. Später geht er nach Frankreich und lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf im Departement Seine-et-Marne.
Er starb am 2. November 1993 in Frankreich.

Michael Kuh, geb. 12. Oktober 1922 in Berlin, mos., 5.A Klasse
Wohnte getrennt von seinen Eltern in einem Untermietzimmer in der Barawitzkagasse 6/2/18.
Er emigrierte mit seiner Mutter - einer Mitarbeiterin des Berliner Malik-Verlages - und seinen Geschwistern, die alle österreichische Staatsbürger waren, bereits im September 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Österreich. Sein Vater, der Schriftsteller Alexander Solomonica, hatte als Staatenloser illegal in Österreich einreisen müssen.
Am 11. Dezember 1938 emigrierte Michael Kuh mit einem Kindertransport der Quäker nach Großbritannien. 1940 wurde er als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Kanada, ins Internment Camp Little River in New Brunswick, verschifft. 1942 meldete er sich zur britischen Armee, zunächst zum „Pioneer Corps“, später zu einer Kampfeinheit, worauf sein Name in Michael Stone geändert wurde. Nach seiner Demobilisierung lebte er unter diesem Namen in Großbritannien.
1962 ging er nach Berlin, arbeitete dort als Kritiker und Berliner Kulturkorrespondent der „Presse“. 1991 veröffentlichte er den autobiographischen Roman „Das Blindeninstitut. Bruchstück einer Jugend.“
Michael Stone war der Neffe des Schriftstellers und Feuilletonisten Anton Kuh.
Am 20. April 1993 starb er in Berlin.

Ulrich Kunewälder, geb. 30. März 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte gemeinsam mit seinen Eltern bis 8. Oktober 1938 in der Formanekgasse 37/5, dann bis 29. Jänner 1939 in der Pension Aclon in der Dorotheergasse 6.
Danach gingen er und seine Eltern nach Hamburg, was auf eine Emigration in die USA hindeutet. (Da das Meldeamt in Hamburg 1943 nach einem Bombenangriff völlig ausbrannte, gibt es dafür leider keinen schriftlichen Beleg.) Jedenfalls finden sich weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Fritz Lantos, geb. 24. November 1924 in Wien, mos., argentinischer Staatsbürger, 4. Klasse
Wohnte bis 12. Juni 1938 bei seiner Großmutter in der Gregor Mendelstraße 38. (Seine Eltern befanden sich in Belgrad, da sein Vater bereits 1936 dorthin versetzt worden war.)
Er emigrierte über Belgrad in die Schweiz, kehrte nach einem Jahr wieder nach Belgrad zurück, kam von dort nach Paris, wo ihn die deutsche Wehrmacht einholte, ging weiter nach Madrid und erreichte schlußendlich am 22. September 1942 Argentinien. In Buenos Aires studierte er Chemie, arbeitete an der Universität als Assistent und trat 1954 in den Esso/Exxon-Konzern ein. 1960 beschloß er mit seiner Gattin, die ebenfalls Chemikerin war, sein eigenes Labor aufzubauen, in dem bis heute im Bereich der Tribologie geforscht wird.
Heute lebt er in Vicente Lopes, Provinz Buenos Aires unter dem Namen Federico E. Lantos.

Georg Lederer, geb. 21. März 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bis 19. September 1938 bei seiner Mutter in der Kreindlgasse 10.
Er emigrierte über die Schweiz nach Großbritannien. 1940 wurde er als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Australien deportiert. 1943 ging er nach New York und studierte Bauingenieurwesen. Danach gründete und leitete er ein Ingenieursbüro.
Er lebt heute unter dem Namen George J. Lederer in Scarsdale, New York.

Josef Lederer, geb. 24. Dezember 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bis 22. Juli 1938 bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 33/12 und ist ein Cousin Georg Lederers.
Er emigrierte mit seiner Familie mit Touristenvisa nach Palästina. Da sie auf das Schiff, das sie nach Haifa bringen sollte, warten mußten, hielten sie sich sechs Wochen lang in Triest versteckt. Bis Dezember 1938 blieben sie in Haifa, da sie auf Emigrantenvisa für Australien warten mußten. Am 19. Jänner 1939 kamen sie schließlich in Sydney an. Josef Lederer ging zunächst Gelegenheitsjobs nach, bestand im Februar 1941 die Matura und konnte am Sydney Technical College zu studieren beginnen. Für einige Zeit war er als „feindlicher Ausländer“ interniert, beendete aber 1945 sein Studium der Optiometrie. Er schlug die akademische Laufbahn ein und erhielt eine Professur an der University of New South Wales.
Er lebt heute in Australien in Cremorne, einem Vorort von Sydney.

Friedrich Lichtner, geb. 7. April 1922 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Rauchensteingasse 10.
Er emigrierte gegen Jahresende 1938 in die USA, lebte in Los Angeles, wo er auch verstorben ist.

Peter Mattersdorfer, geb. 12. Juli 1923 in Wien, evang. A.B., 5.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Gustav Tschermakgasse 21, vom Dezember 1938 bis zu seiner Emigration am 12. März 1939 nach Australien in der Schwarzspanierstraße 15.
Er lebte 1945 unter dem Namen Peter Matters in Melbourne, Australien.

Thomas Mayer, geb. 18. Jänner 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 39.
Da seine Eltern keine Visa erhielten, emigrierte er im September 1938 alleine nach Großbritannien. Sein Vater wurde 1939 verhaftet und nur unter der Bedingung einer sofortigen Ausreise nach Großbritannien entlassen. Dort angekommen, bemühte er sich um ein Visum für seine Gattin, erhielt es schließlich im September 1939, doch verhinderte der Kriegsausbruch ihre Ausreise. 1941 gelang ihr, wenige Tage vor dem Kriegseintritt der USA, die Emigration dorthin. 1944 folgten ihr Thomas Mayer und sein Vater.
Thomas Mayer setzte seinen Schulbesuch in Brighton, London und in einer deutschen Schule in Wem fort, studierte in den USA Wirtschaft an der Columbia University, schlug die akademische Laufbahn ein und erhielt Professuren an der Michigan State University und an der University of California.
Er lebt heute in Berkeley, California, USA.

Edgar Meizels, geb. 16. August 1922 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Schegargasse 19, ab 12. November 1938 in der Mariahilferstraße 51.
Im Juli 1939 emigrierte er nach Großbritannien.

Herbert Menasche, geb. 4. Oktober 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Obkirchergasse 41.
Im September 1938 mußten seine Eltern in die Schwertgasse 2 übersiedeln. Auf dieser Meldung scheint ihr Sohn nicht mehr auf, was auf eine zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgte Emigration hindeutet. Jedenfalls finden sich weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Kurt Menasse, geb. 8. Februar 1923 in Wien, mos., 5.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern zunächst in der Döblinger Hauptstraße 13/7. Nach der Arisierung der Wohnung durch einen Bekannten seines Vaters wohnte er in der Wohnung der Großmutter und nach der Arisierung dieser Wohnung bis zum 20. Dezember 1938 in der Liechtensteinstraße 119/4/22.
Er kam gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder mit einem Kindertransport der Quäker nach Großbritannien. Zunächst besuchte er die Schule und wurde 1940 als „feindlicher Ausländer“ interniert. Am 22. November 1943 meldete er sich zur britischen Armee und sein Name wurde aus Schutzgründen in Kenneth Marshall geändert. Er wurde im Fernen Osten - in Burma - in einer Kampfeinheit gegen die japanische Armee eingesetzt. 1947 kam er als Sergeant der britischen Armee nach Wien und beendete am 8. Oktober 1947 seine Militärzeit.
Kurt Menasses Eltern überlebten in Wien. Seine Mutter - nach der damaligen Diktion eine „Arierin“ - weigerte sich, sich von ihrem jüdischen Ehemann scheiden zu lassen, weshalb er nicht deportiert wurde und als jüdischer Zwangsarbeiter in Wien überlebte.
Kurt Menasse arbeitete zunächst in einer Tochterfirma der Länderbank, gründete dann sein eigenes Unternehmen, ein Import/Exportgeschäft, das vor allem in den Oststaaten tätig war.
Er starb am 14. März 2005 in Wien.

Rudolf Neubrunn, geb. 17. September 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Cottagegasse 78, ab 5. Mai 1938 bis zu seiner Emigration nach Australien am 22. Mai 1939 in der Weimarerstraße 78.

Richard Neuer, geb. 1. Dezember 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Chimanistraße 1a, ab 1. März 1939 bis zu seiner Emigration nach Paris am 9. Mai 1939 in der Zirkusgasse 41.
Seinem Vater, dem Rechtsanwalt Dr. Jakob Neuer, wurde im Mai 1938 die Ausübung seines Berufes untersagt. In der Novemberpogromnacht wurde er verhaftet, mißhandelt und anschließend ins KZ Dachau überstellt. Richard Neuer mußte die Mißhandlung seiner Mutter durch sechs SA-Männer miterleben, die unter dem Vorwand, „Waffen zu suchen“, ihren Schmuck aus der Wohnung stahlen. Nachdem seine Mutter verschiedene Wertgegenstände, die ihr noch verblieben waren, an ihr persönlich bekannte SS-Männer verteilt hatte, wurde Dr. Jakob Neuer Anfang Februar 1939 aus Dachau entlassen. Es gelang der Familie, ein Durchreisevisum für Frankreich zu erhalten, doch die Weiterreise in die USA glückte nicht mehr. Richard Neuers Vater wurde von Vichy-Frankreich an die Gestapo ausgeliefert und mit dem Transport Nummer 20 vom „Sammellager“ Drancy bei Paris nach Auschwitz deportiert, wo er am 19. August 1942 ankam und sofort in den Gaskammern ermordet wurde. Auch Richard Neuer und seine Mutter sollten deportiert werden, versteckten sich aber vor der Vichy-Polizei. Nach einigen Wochen gelang es ihnen, falsche Ausweise zu erlangen und damit in die Schweiz zu flüchten. Der Landwirt, dessen Hof sie völlig erschöpft am frühen Morgen nach dem Grenzübertritt erreichten, holte die schweizerische Grenzpolizei, die beide auf der Stelle festnahm. Richard Neuer wurde noch am selben Morgen an die französische Grenzpolizei ausgeliefert, die ihn sofort nach Drancy bringen wollte. Seine Mutter durfte auf Grund ihrer Erschöpfung in der Schweiz bleiben und wurde bis Kriegsende in einem Flüchtlingslager interniert. Richard Neuer brach aus dem Verschlag, in den ihn die französische Grenzpolizei vorläufig eingesperrt hatte, aus und gelangte nach Montpéllier, wo er mit der Widerstandsorganisation „OSE“ (Oeuvre de Secours aux Enfants), von der er und seiner Mutter die falschen Ausweise bekommen hatten, neuerlich Kontakt aufnahm. Diese Organisation verschaffte ihm eine neue Identität, indem er sich in „Albert Tormen“ verwandelte, einen jungen französischen Flüchtling, der 1940 aus dem Kampfgebiet in Nordfrankreich geflohen war. Unter diesem Namen setzte Richard Neuer auch den Schulbesuch fort. Obwohl die Direktoren in seine Untergrundexistenz eingeweiht waren, mußte er aus Sicherheitsgründen mehrmals die Schule wechseln. Im Lycée de Rodez entkam er der Gestapo, die begonnen hatte, das Schulgebäude zu durchsuchen, in letzter Sekunde. 1944 maturierte Richard Neuer in Condom in Südwestfrankreich mit Auszeichnung. Nach der Befreiung Frankreichs nahm er wieder seinen früheren Namen an und wurde im Juni 1946 französischer Staatsbürger.
Heute arbeitet er als Rechtsanwalt in Paris.

Hans Neumann, geb. 18. Jänner 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Wohnte bis zu seiner Emigration nach Großbritannien am 5. Juli 1938 bei seinen Eltern in der Gersthoferstraße 105/II/9.

Hans Picker, geb. 11. August 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Semperstraße 56, ab März 1939 bis zu seiner Emigration nach Großbritannien am 18. Juli 1939 Im Werd 7.

Hans Wolfgang Pollak, geb. 10. Oktober 1922 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Nußwaldgasse 7.
Er emigrierte am 26. Juli 1938 mit seinen Eltern nach Durrazzo/Durres in Albanien, wo sein Vater am Eisenbahnbau beteiligt war. Die Familie ging gegen Ende 1938 weiter nach Rom, später nach Lyon und St.Etienne in Frankreich. Hans Wolfgang Pollak war Mitglied der Résistance, wurde aber im August 1942 verhaftet und am 7. September 1942 vom „Sammellager“ Drancy bei Paris mit dem Transport Nummer 29 nach Auschwitz deportiert, wo er am 9. September 1942 ankam.
Er wurde in Auschwitz ermordet.

Kurt Pollak, geb. 23. September 1921 in Aspang am Wechsel, röm.-kath., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Nußwaldgasse 19.
Er emigrierte nach Kent in Großbritannien.

Georg Prager, geb. 26. März 1923 in Wien, mos., 5.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Pokornygasse 13.
Er emigrierte im Jänner 1939 nach Großbritannien, diente in der britischen Armee, änderte seinen Namen in George Bruce und war nach Kriegsende in der Versicherungsbranche tätig.

Paul Reisz, geb. 4. März 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Billrothstraße 63.
Er emigrierte im September 1938 über Prag nach Frankreich, trat dort 1939 in die Fremdenlegion ein, war bis 1941 in Tunesien und Algerien stationiert und wanderte danach in die USA ein. 1944 bis 1946 diente er in der US-Army. Nach seiner Demobilisierung arbeitete er weiter für die Armee und wurde Ingenieur. Unter dem Namen Paul S. Reis war er in Sacramento, Kalifornien, spezialisiert auf die Qualitätskontrolle von Raketen, tätig. Außerdem erforschte er in den 50er und 60er Jahren Ruinenstädte der Inka in Peru und Bolivien.
Am 26. Juli 1993 verstarb er in Citrus Heights, California, USA.

Rudolf Rosenfeld, geb. 5. Februar 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seiner Mutter in der Pyrkergasse 29. (Sein Vater war 1929 gestorben.)
Er emigrierte am 17. Mai 1938 mit dem Flugzeug über die Tschechoslowakei nach Großbritannien, wo er den Schulbesuch in einem Internat fortsetzte. 1943 begann er in Oxford Rechtswissenschaften zu studieren, unterbrach sein Studium im August 1943, da er bei der Royal Air Force Militärdienst leistete. Zwei Jahre lang - davon elf Monate in Südafrika - wurde er zum Navigator ausgebildet, aber nicht mehr eingesetzt. Nach Kriegsende war er in Deutschland bei der Untersuchung von Kriegsverbrechen - der Ermordung von RAF-Offizieren - tätig. Im September 1946 setzte er nach seiner Demobilisierung sein Studium in Großbritannien fort, beendete es 1948 und arbeitete als Rechtsanwalt.
Er lebte unter dem Namen R.R. Russell in London und verstarb 2010.

Heinrich Rosenthal, geb. 3. Mai 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Goltzgasse 3, ab 11. November 1938 im Hotel de France am Schottenring 3.
Er meldete sich am 23. November 1938 unbekannten Ortes ab, was auf eine Emigration hindeutet. Weder sein Name noch der seines Vaters finden sich in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Friedrich Schab, geb. 10. Juli 1924 in Luzern, Schweiz, mos., 4. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Formanekgasse 40.
Seine Schwester und er wurden nach dem „Anschluß“ gezwungen Schuschnigg- und Österreichparolen vom Gehsteig zu entfernen, da sie Juden waren und ihr Vater als Unterstützer des Schuschniggregimes bekannt war. Zunächst flüchteten er und seine Schwester in die Schweiz, wo sie die Schule fortsetzten. 1939 emigrierte seine Familie über England in die USA (den Kriegsausbruch erlebten sie auf hoher See). Dort beendete er die Schule und begann an der New York University und an der Columbia University zu studieren. Danach trat er in das Antiquariat seines Vaters ein, das er später selbst leitete und in dem er bis heute tätig ist.
Er lebt unter dem Namen Frederick G. Schab in New York.

Herbert Schablin, geb. 27. August 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 5/II/1.
Er emigrierte 1938 nach Palästina, studierte an der Technischen Hochschule in Haifa Mathematik und Chemie. 1941 meldete er sich zur britischen Armee, diente fünf Jahre bei den „Royal Engineers“ im Libanon, in Syrien, Palästina, Ägypten, Libyen und Italien. 1946 ging er nach Indien, wohin seine Eltern emigriert waren, arbeitete in einer Chemiefabrik und für eine indisch-jüdische Zeitung. 1961 kehrte er nach Europa zurück, zunächst in die Schweiz, später nach Deutschland, wo er in Stolberg in der Nähe von Aachen für einen Pharmakonzern arbeitete.
Am 23. September 1988 starb er und wurde in der jüdischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofes begraben.

Ernst Schanzer, geb., 5. Jänner 1922 in Wien, mos., 5.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Peter Jordanstraße 10/9.
Er emigrierte am 20. März 1939 nach Riga in Lettland, das in der Zwischenkriegszeit ein unabhängiger Staat war und am 17. Juni 1940 von der Sowjetunion annektiert wurde. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion wurde seine Familie am 22. Juni 1941 zunächst in Riga, später in Novosibirsk (Sibirien) interniert und kam schließlich in das Internierungslager Nr. 99 in Spassk bei Karaganda in Kasachstan. Knapp nach der Ankunft in Spassk sterben im September 1942 seine Eltern. Todesursache war bei seinem Vater eine schwere Ernährungsstörung und eine Herzmuskelentartung, bei seiner Mutter ebenfalls eine schwere Ernährungsstörung. Ernst Schanzer überlebte, dürfte aber nicht nach Österreich zurückgekehrt sein, sondern ist entweder noch vor der sowjetischen Annexion Lettlands oder sofort nach Kriegsende nach Kanada emigriert. Sein älterer Bruder Peter Schanzer kehrte nach Wien zurück, war 1947 im Obdachlosenheim in der Meldemanngasse gemeldet und beantragte die Todeserklärung seines Vaters. Bis 1977 wohnte er in der Cottagegasse 10/6, danach verliert sich seine Spur.

Georg Scheininger, geb. 1. Dezember 1922 in Wien, mos., 5.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Anastasius Grüngasse 21.
Er emigrierte am 18. August 1938 nach Nitra in der Tschechoslowakei und später nach Australien.
Heute lebt er unter dem Namen George Shelton in Cooma, New South Wales.

Erich Schiller, geb. 8. März 1926 in Wien, mos., 2. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Felix Mottlstraße 4.
Seine Mutter wurde nach dem „Anschluß“ gezwungen, Schuschnigg- und Österreichparolen vom Gehsteig zu entfernen. Sein Vater verlor im April 1938 seine Anstellung als Direktor einer Metallwarenfirma. Im Juli 1938 gelang der Familie die Emigration nach Italien, von dort nach wenigen Wochen in die Schweiz und im August 1939 nach Australien, wo Erich Schiller seine Schulausbildung beendete. Anschließend studierte er in Sydney Medizin und wurde nach Kriegsende in London zum Herzspezialisten ausgebildet. Er arbeitete als Kardiologe in Großbritannien und Australien.
Heute lebt er unter dem Namen Eric Schiller in Sydney, New South Wales, Australien.

Klaus Schiller, geb. 7. März 1927 in Wien, evang. H.B, 1. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Blaasstraße 29, ab Juni 1938 in der Liechtensteinstraße 59.
Er emigrierte gemeinsam mit seiner Schwester im September 1938 nach Großbritannien, wo sie bei einem Onkel in Essex, der bereits in den 20er Jahren ausgewandert war, wohnen konnten. Im Frühjahr 1939 ermöglichte es die britische Regierung je 50 Ärzten aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Großbritannien zu emigrieren und dort zu praktizieren. Der Vater von Klaus Schiller - ein Gynäkologe - war unter diesen Ärzten und konnte mit seiner Gattin, den Eltern seiner Frau und seiner schon lange verwitweten Mutter aus Nazideutschland ausreisen. Die Familie ließ sich in Cambridge nieder, wo Klaus Schiller auch seinen Schulbesuch fortsetzte. Gegen Kriegsende wurde er von der Royal Air Force ausgebildet, aber nicht mehr eingesetzt. Von 1945 bis 1951 studierte er in Oxford Medizin. Danach war er zwei Jahre als „Medical Officer“ der Royal Air Force in Deutschland stationiert. Nach seiner Demobilisierung arbeitete er in verschiedenen Spitälern, war und ist aber auch in der medizinischen Forschung tätig. Er spezialisierte sich auf Gastroindestive Endoskopie und wurde Vizepräsident und Präsident der Britischen Gesellschaft der Gastroenterologen.
Heute lebt er unter dem Namen K.F.R. Schiller in Oxford, England.

Ernest Schindler, geb. 5. Jänner 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Martinstraße 23/5.
Nach der Pogromnacht im November 1938 wurde die Wohnung durch den Hauseigentümer - das Presbyterium der evangelischen Pfarrgemeinde Wien - gekündigt. Als Kündigungsgrund wurde „Arisierung“ angegeben. Er kam danach mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder in eine „Gemeinschaftswohnung“ in der Sterngasse 2/22. In dieser Wohnung befanden sich noch drei andere Familien, deren Mitglieder jedoch deportiert und ermordet wurden.
1938 trat er der Jugendalijah bei, einer zionistischen Vereinigung, die die Jugendlichen auf das Leben in Palästina vorbereiten sollte. Am 12. Mai 1941 wurde die Jugendalijah aufgelöst und verboten. Der Großteil ihrer Mitglieder wurde deportiert und ermordet. Ernest Schindler überlebte den Krieg als Zwangsarbeiter des Ersatzverpflegungsamtes Wiens, das zwischen Engerthstraße und Handelskai einen großen Sammelplatz angelegt hatte.
Er starb am 3. Juni 1993 in Wien.

Georg Schlesinger, geb. 17. Juni 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Er wohnte bis zu seiner Emigration nach Frankreich am 2. November 1938 bei seinen Eltern in der Dionysius Andrassystraße 3.
Am 28. August 1942 wurde er vom „Sammellager“ Drancy bei Paris mit dem Transport Nummer 25 nach Auschwitz deportiert, wo er am 31. August 1942 ankam.
Georg Schlesinger wurde in Auschwitz ermordet.

Thomas Schreiber, geb. 19. Oktober 1924 in Wien, evang. A.B., 4. Klasse
Er wohnte bis zu seiner Emigration nach Großbritannien am 1. Dezember 1938 bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 81.

Heinz Schulhof, geb. 12. Mai 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Reithlegasse 10, dann bis zu seiner Emigration nach Holland im Dezember 1938 am Althanplatz 8 (heute Julius-Tandler-Platz).
Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Frankreich, Belgien, Luxemburg und die Niederlande flüchtete er in die unbesetzte Zone Frankreichs, wo er bei einem Köhler Arbeit fand. Die Gendarmen des Vichy-Regimes verhafteten ihn 1942, er wurde ins „Sammellager“ Drancy bei Paris gebracht und am 9. September 1942 mit dem Transport Nummer 30 nach Auschwitz deportiert, wo er am 11. September 1942 ankam. Er wurde bei der Evakuierung des Konzentrationslagers und den daraus resultierenden Todesmärschen zur Jahreswende 1944/45 ermordet.

Egon Schwarzstein, geb. 9. Jänner 1922 in Wien, mos., 6.A Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Gymnasiumstraße 62.
Er emigrierte im Jänner 1939 als Mitglied der Jugendalijah nach Palästina. Dort verbrachte er eineinhalb Jahre im Kibbutz Jagur und wurde zum Maschinenschlosser ausgebildet. Seinen Eltern war es in der Zwischenzeit möglich gewesen, nach Lettland zu emigrieren, wo sie auf Visa für die USA warteten. 1940 konnte die Familie in die USA gelangen. Egon Schwarzstein arbeitete zunächst in seinem erlernten Beruf als Maschinenschlosser. 1943 rückte er in die US-Army ein und wurde an der Colorado School of Mines zum Ingenieur ausgebildet. 1944 mußte er sein Studium unterbrechen, da er als Infanteriesoldat auf die Philippinen versetzt wurde. Er kämpfte dort und in Okinawa. 1946 wurde er demobilisiert und arbeitete in New York wieder als Maschinenschlosser, setzte aber gleichzeitig sein Studium fort und wurde schließlich Diplomingenieur.
Er lebte unter dem Namen Edward S. Stevens in Hackensack, New Jersey, wo er am 2. Dezember 2000 verstarb.

Ernst Schwehla, geb. 28. März 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bei seiner Mutter in der Weinberggasse 41/33.
Er versuchte als „U-Boot“ in Wien zu überleben, wurde aber am 3. Mai 1943 von der Gestapo verhaftet und am 12. Oktober 1943 nach Auschwitz deportiert. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mauthausen (ab 29.Jänner 1945), Gusen (ab 22. Februar 1945), Flossenbürg (ab 26. Februar 1945) und Leitmeritz/Litomerice in der heutigen Tschechischen Republik (ab 17. April 1945 bis zur Befreiung), kehrte wieder nach Wien zurück und wohnte ab März 1946 in der Peter Jordanstraße 33, dann in der Dommesgasse 9/9/1.
Er starb am 17. Oktober 1980 in Wien.

Michael Schwind, geb. 2. Juli 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Wohnte bis zu seiner Emigration am 21. März 1939 bei seinen Eltern in der Colloredogasse 12.
In welches Land die Emigration führte, ist in der Meldekartei nicht vermerkt. Jedenfalls finden sich weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Robert Silbermann, geb. 24. September 1921 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Liechtensteinstraße 58.
Mit Beginn des Schuljahres 1937/38 wechselte er vom BG 9, Wasagasse, ins BG 19, um sich acht Monate später zwangsweise in seiner ehemaligen Schule wiederfinden zu müssen.
Er versuchte im Dezember 1938 auf Schiern die deutsch-schweizerische Grenze zu überqueren, wurde dabei aber von einer Grenzpatrouille erschossen.

Ernst Silberstein, geb. 5. Juli 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bis 22. Oktober 1938 bei seinen Eltern in der Anastasius Grüngasse 52.
Er emigrierte über Brüssel nach Großbritannien und ging später nach Australien, wo er als Wissenschaftler tätig war.
Sein Vater a.o. Univ.Prof. Dr. Friedrich Silberstein war in Großbritannien der Vorsitzende der Association of Austrian Doctors.
Ernst Silberstein lebt heute unter dem Namen Peter Silberstein in Churchlands, West Australia.

Joseph Silberstein, geb. 5. Juli 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Anastasius Grüngasse 52.
Er hatte denselben Emigrationsweg wie sein Zwillingsbruder Ernst Silberstein, und war ebenfalls als Wissenschaftler und Universitätsprofessor - für Mathematik - tätig.
Heute lebt er unter dem Namen J.P.O. Silberstein in Dalkeith, West Australia.

Ernst Spinner, geb. 1. Dezember 1924 in Wien, konfessionslos, 3. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern am Schreiberweg 70.
Am 3. März 1939 meldeten sich seine Eltern am Grinzinger Steig 2. Auf dieser Meldung scheint Ernst Spinner nicht mehr auf, was auf eine bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte Emigration hindeutet. Es finden sich weder sein Name noch der seines Vaters in den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erfassung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes.

Peter Spitz, geb. 31. Mai 1926 in Wien, mos., 2. Klasse
Wohnte bis zu seiner Emigration am 28. September 1938 bei seinen Eltern in der Vegagasse 21/1/8.
Die Familie flüchtete über Prag nach Paris, im September 1939 weiter in die USA. Er leistete von 1944 bis 1946 Miltärdienst in der US-Army, studierte Chemie und war bis zu seiner Pensionierung in verschiedenen Chemieunternehmen als Manager und Industrieller tätig.
Er lebt heute unter dem Namen Peter H. Spitz in den USA.

Richard Stein, geb. 11. Februar 1920 in Wien, mos., 8. Klasse
Wohnte bis zu seiner Emigration über Genua nach Shanghai im Dezember 1938 bei seinen Eltern in der Säulengasse 12/7.
Als Kommunist schloß er sich Mao Tse-tungs Armee an, kämpfte zunächst gegen die japanische Armee, danach gegen die Tschiang Kai-scheks. Später bekleidete hohe Posten im Gesundheitswesen Chinas.
Eine Gedenktafel, die an ihn erinnert, befindet sich an der Vorderfront des G19.
Er lebte unter dem Namen Richard Fu-Lai in Beijing (Peking), wo er am 16. November 2004 starb.

Hans Steiner, geb. 5. Juni 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Gymnasiumstraße 68, vom 15. April 1940 bis 13. November 1941 in der Dornbacherstraße 57/1/3, danach in einer „Gemeinschaftswohnung“ in der Rembrandtstraße 5/3/11.
Er wurde zusammen mit seinen Eltern am 9. April 1942 in das Ghetto von Izbica bei Lublin im damaligen „Generalgouvernement“ deportiert. Vermutlich wurde er im Sommer 1942 im Rahmen der „Aktion Reinhard“ (benannt nach ihrem „Organisator“ Reinhard Heydrich) im Vernichtungslager Belzec ermordet.

Herbert Stern, geb. 7. Jänner 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Boschstraße 16, ab 4. August 1938 bis zu seiner Emigration nach New York am 29. August 1939 in der Großen Mohrengasse 36.

Kurt Stern, geb. 26. Dezember 1926 in Wien, mos., 2. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Rudolfinergasse 8.
Nach der Arisierung der Wohnung und der Chemiefabrik seines Vaters lebte die Familie bis zur Emigration in die USA am 6. November 1939 gemeinsam mit den Großeltern in deren Wohnung in der Frauengasse 1/7. In New York beendete er die Schule und begann 1943 Chemie zu studieren. 1945 wurde Kurt Stern zur US-Army eingezogen und als Besatzungssoldat nach Heidelberg geschickt, wo er an Ermittlungen gegen SS-Offiziere, die Kriegsverbrechen begangen hatten, beteiligt war. Nach der Demobilisierung beendete Kurt Stern sein Studium und schlug die akademische Laufbahn ein, zunächst an der University of Arkansas, später in Washington, wurde Universitätsprofessor und arbeitete auch in Regierungslabors wie dem Naval Research Laboratory. Außerdem war und ist er als Komponist tätig.
Er lebte unter dem Namen Kurt Heinz Stern in den USA in Takoma Park, Maryland, wo er am 18. Februar 2003 starb.

Wilhelm Stern, geb. 27. Juli 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bei seiner „Wohnungsgeberin“, vermutlich der Großmutter, in der Hasenauerstraße 10 (seine Eltern waren verstorben).
Er emigrierte im September 1938 nach London.

Heinrich Teltscher, geb. 3. Juni 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bei seiner Mutter (sein Vater war 1936 gestorben) in der Reithlegasse 9.
Am 4. November 1938 - sechs Tage vor der Pogromnacht, in der SA-Männer in die Wohnung seiner Mutter kamen, um ihn zu verhaften - emigrierte er mit einem Quäkertransport nach Großbritannien. Er begann, in England in einem Labor einer Textilfabrik zu arbeiten und abends zu studieren. 1940 wurde er als „feindlicher Ausländer“ interniert und nach Australien deportiert. Nach 20 Monaten im australischen Internierungslager meldete er sich zur australischen Armee, der er dann vier Jahre lang angehörte. Er wurde in einem Armeehospital eingesetzt, wodurch er abends sein Studium der Biochemie und Bakteriologie fortsetzen konnte. Er schlug die akademische Laufbahn ein und wurde an der Technischen Hochschule von Melbourne Universitätsprofessor für Angewandte Biologie.
Er lebte unter dem Namen Henry Teltscher in Australien in Glen Waverley, Victoria, wo er vor einigen Jahren verstarb.

Paul Toch, geb. 2. November 1922 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Döblinger Hauptstraße 7.
Nach der Arisierung der Wild- und Geflügelhandlung seines Vaters und der Wohnung übersiedelte die Familie im Juli 1938 in eine kleine Wohnung in der Billrothstraße 53. In der Pogromnacht vom 10. November 1938 wurde der Vater Paul Tochs verhaftet, mißhandelt und nach einer Woche wieder freigelassen. Am 1. August 1939 gelang es der Familie, nach New York zu emigrieren. Von dort zogen sie zu Verwandten nach Los Angeles. Paul Toch ergriff zunächst Gelegenheitsjobs und begann, abends Medizin zu studieren. Aufgrund eines schweren Unfalls wurde er nicht in die US-Army eingezogen. Dieser gehört er dann im Koreakrieg an, den er als Offizier und Arzt in der amerikanischen Flotte zubrachte. Nach der Demobilisierung war er wieder als Arzt tätig.
Er lebt heute in der Nähe von San Francisco in Vallejo, California.

Georg Troller, geb. 10. Dezember 1921 in Wien, mos., 7. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Peter Jordanstraße 28/1/3.
In der Pogromnacht wurde sein Vater verhaftet, mißhandelt und nach einigen Tagen wieder freigelassen. Georg Troller wurde noch 1938 von einem Schlepper in die Tschechoslowakei gebracht, später folgten ihm seine Eltern. Nach der Besetzung der Resttschechoslowakei durch die deutsche Wehrmacht gelang es der Familie, am 29. April 1939 nach Frankreich zu emigrieren. Georg Troller wurde als „feindlicher Ausländer“ interniert und kam in Folge der militärischen Niederlage Frankreichs frei. Er ging nach Paris, später nach Pau in Südfrankreich, dann nach Marseille, immer auf der Suche nach Ausreisemöglichkeiten. Schließlich erhielt er vom amerikanischen Konsulat in Marseille am 21. Mai 1941 ein Einreisevisum für die USA. In New York ging er Gelegenheitsjobs nach und meldete sich im März 1943 zur US-Army. Er wurde zunächst in Italien, dann in Frankreich als „Feindaufklärer“ eingesetzt und vernahm in Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten. Nach seiner Demobilisierung studierte er Theaterwissenschaften in Kalifornien, New York, Paris und Wien. Danach begann er als Rundfunkreporter in Paris zu arbeiten, später als Fernsehreporter für den WDR. Ab 1971 drehte er für das ZDF Dokumentarfilme unter dem Titel „Personenbeschreibung“. (Bis heute hat er über 100 Dokumentarfilme gedreht.) 1988 erschien seine Autobiographie „Selbstbeschreibung“, die auch Vorlage für Axel Cortis Filmtrilogie „Wohin und zurück“ wurde, für die Georg Troller das Drehbuch verfaßte. Er erhielt eine Vielzahl von Fernsehpreisen, darunter auch die „Goldene Kamera“.
Heute lebt er unter seinem Namen Georg Stefan Troller in Paris.

Walter Uiberall, geb. 8. Oktober 1922 in Wien, mos., 6.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Hackenberggasse 13.
Er emigrierte 1939 nach Palästina und wurde Muchtar - das ist mit einem Bürgermeister vergleichbar - eines Kibbutz im Negev.
Sein älterer Bruder Georg Uiberall - der 1936 am BG 19 maturiert hatte - war ein Mitarbeiter und Vertrauter David Ben Gurions und wurde unter seinem hebräisierten Namen Ehud Avriel der erste Botschafter Israels in der Tschechoslowakei.
Heute lebt Walter Uiberall unter dem Namen Hagai Avriel vermutlich im Kibbutz Sdeh Boker im Negev in Israel.

Hermann Waldinger, geb. 17. Juni 1923 in Wien, mos., 5.B Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Anastasius Grüngasse 8.
Zur der Zeit des „Anschlusses“ befand sich sein Vater - der Schriftsteller Ernst Waldinger - wegen einer bevorstehenden Tumoroperation in Spitalsbehandlung. Einen Tag vor dem Operationstermin wurde ihm befohlen, das Spital sofort zu verlassen, doch glücklicherweise konnte ein anderes Spital gefunden werden, in dem dann die Operation durchgeführt wurde. Nach der Arisierung der Wohnung im Juni 1938 und der Kündigung des Vaters - er wurde als jüdischer Beamter nicht mehr beschäftigt - zog die Familie in die Wohnung von Bekannten in der Döblinger Hauptstraße 77/7. Dies alles geschah noch, während der Vater in Spitalspflege war. Im September 1938 gelang der Familie die Emigration in die USA, und Hermann Waldinger setzte den Schulbesuch fort. Er begann mit dem Studium der Mathematik in Pomona, California, später studierte Hermann Waldinger an der Brown University in Boston und an der Columbia University. 1944 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Hermann Waldinger arbeitete zunächst in industriellen Forschungsabteilungen und wurde 1961 an die Polytechnic University of New York berufen.
Er lebte unter dem Namen Hermann V. Waldinger in den USA in Teaneck, New Jersey, wo er am 23. Juli 2003 starb.

Otto Walter, geb. 28. Jänner 1925 in Wien, mos., 3. Klasse
Wohnte bis bei seiner Mutter (sein Vater war 1929 gestorben) in der Pyrkergasse 41.
Er emigrierte am 19. Juli 1939 nach Großbritannien. Aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten war ihm ein weiterer Schulbesuch verwehrt, und er arbeitete bis 1946 in der Landwirtschaft. 1947 kehrte Otto Walter mit seiner Mutter nach Wien zurück. Sie prozessierten bis 1951, um ihre arisierte Wohnung zurückzuerhalten. In Österreich arbeitete Otto Walter zunächst in der USIA, der sowjetischen Güterverwaltung, dann in der SMV (sowjetischen Mineralölverwaltung), der heutigen OMV, bis zu seiner Pensionierung als Mineralölarbeiter.
Er lebte in Wien, wo er 2006 starb.

Georg Weil, geb. 13. März 1927 in Wien, mos., 1. Klasse
Wohnte bei seiner Mutter (sein Vater war 1928 verstorben) in der Armbrustergasse 25.
Er emigrierte im Juli 1939 nach Großbritannien. Dort arbeitete er später als Versicherungskaufmann.
Heute lebt er unter dem Namen George Weil in Birmingham, England.

Kurt Weill, geb. 22. April 1926 in Wien, mos., 2. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Formanekgasse 38.
Er emigrierte am 2. August 1938 nach Zürich.

Franz Werber, geb. 8. April 1924 in Wien, mos., 4. Klasse
Wohnte bei seinen Eltern in der Daringergasse 3/11.
Sein Vater konnte als Vertreter für britische Textilfirmen Besuchervisa für die Einreise nach Großbritannien bekommen, und so emigrierte die Familie am 13. Juli 1938 nach London. Schließlich erhielt sein Vater die Vertretung einiger britischer Firmen in den USA, und deshalb gingen sie im März 1939 nach New York. Franz Werber setzte sowohl in London als auch in New York den Schulbesuch fort, wurde 1944 amerikanischer Staatsbürger und diente 1944 bis 1946 in der US-Army in einem Hospitallabor in Florida. Danach studierte er Allgemeine und Organische Chemie an der University of Illinois und war in verschiedenen Forschungsinstituten tätig. Er ist Mitglied der AAAS (American Association for the Advancement of Science), war einige Zeit Vorsitzender der Sektion für industrielle Forschung, hält 25 Patente und ist Autor von 27 Fachpublikationen.
Er lebte unter dem Namen Frank X. Werber in den USA in Essex, Connecticut, wo er am 2. Jänner 2006 starb.

Zumindest drei Schülern galten zwar laut den „Nürnberger Gesetzen“ als sogenannte „Mischlinge 1. Grades“, waren aber nicht mosaischer Religion und durften deshalb noch bis Ende des Schuljahres 1937/38 am G 19 verbleiben, wurden dann aber ebenfalls verfolgt. Auf Richard Wengraf (am 17. August 2005 verstorben) und sein Schicksal wurde bereits verwiesen. Otto Specht, Schüler der 6.B, evang. AB, emigrierte nach Australien, wo er unter dem Namen Spence lebt. Paul Heinsheimer, Schüler der 3. Klasse, konfessionslos, erhielt sein Affidavit erst am 1. September 1939 und konnte wegen des Kriegsbeginns seinem Vater nicht mehr nach Australien folgen, überlebte gemeinsam mit seiner Schwester unter schwierigen Umständen in Wien und emigrierte 1947 nach Australien. Heute lebt er unter dem Namen Paul H. Heins in Manly, New South Wales, Australien.

Die in der NS-Terrorzeit ermordete jüdische AbsolventInnen und Lehrer des BG 19

In einem Wahlpflichtfach Geschichte versuchte eine kleine SchülerInnengruppe vor mehreren Jahren die in der Shoah umgekommenen AbsolventInnen des BG 19 namentlich festzuhalten. Ausgangspunkt waren die Maturakataloge 1893 bis 1937 im Schularchiv der Schule. Die dort gewonnenen Daten wurden von den SchülerInnen mit den Datenbanken des Projekts „Namentliche Erforschung der Holocaustopfer“ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes verglichen.
Uns ist bewusst, dass dies nur ein erster, wenngleich auch weit gehender Ansatz zur Erfassung der durch den Rassenwahn in der Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes ermordeten jüdischen und als jüdisch geltenden MaturantInnen des BG 19 ist, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.

Mag. Martin Krist

Die ermordeten AbsolventInnen

Adrian Bernert(h), geb. 16. Oktober 1903, evang. AB, Maturajahrgang 1921
Er wurde am 17. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert.

Egon Böhmer, geb. 25. Oktober 1901, mos., Maturajahrgang 1920
Er wurde am 9. Oktober 1942 ins KZ Theresienstadt, von dort am 1. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert.

Stefan Brassloff, geb. 18. Juni 1875, mos., Maturajahrgang 1893
Universitätsprofessor für Römisches Recht an der Universität Wien.
Er wurde am 13. August 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er am 28. Februar 1943 starb.

Viktor Fleischmann, geb. 22. August 1897, mos., Maturajahrgang 1906
Er wurde 1940 wegen „Rassenschande mit einer Arierin“ verhaftet und am 31. August 1940 ins KZ Dachau „verschickt“, wo er am 27. Dezember 1940 ermordet wurde.

Gottlieb Hecht, geb. 29. April 1887, mos., Maturajahrgang 1905
Er wurde am 12. Mai 1942 in das Ghetto von Izbica bei Lublin deportiert und vermutlich im Sommer 1942 im Vernichtungslager Belzec ermordet.

Alfred Hirsch, geb. 28. März 1882, mos., Maturajahrgang 1910
Er wurde am 17. Dezember 1942 ins KZ Theresienstadt, von dort am 15. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert.

Oskar Hirsch, geb. 2. Jänner 1879, mos., Maturajahrgang 1897
Er wurde am 11. Jänner 1942 nach Riga deportiert und dort sofort nach der Ankunft ermordet.

Karl Josef Kiesler, geb. 26. Februar 1884, mos., Maturajahrgang 1904
Er wurde am 9. Oktober 1942 ins KZ Theresienstadt, von dort am 12. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert.

Siegfried Liebreich, geb. 15. August 1900, mos., Maturajahrgang 1918
Er wurde am 9. April 1942 in das Ghetto Izbica bei Lublin deportiert und vermutlich im Sommer 1942 im Vernichtungslager Belzec ermordet.

Magda Merwin, geb. 7. April 1911, mos., Maturajahrgang 1929
Sie wurde am 24. September 1942 ins KZ Theresienstadt, von dort am 19. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert.

Leopold Moses, geb. 24. April 1888, mos., Maturajahrgang 1906
Er war Historiker und Archivar der Israelitischen Kultusgemeinde. Am 1. Dezember 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert.

Oskar Natscheradetz, geb. 15. September 1897, mos., Maturajahrgang 1917
Er wurde am 6. Mai 1942 nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert und dort sofort nach der Ankunft ermordet.

Hermann Pollak, geb. 15. Mai 1889, mos., Maturajahrgang 1908
Er wurde in Frankreich ab Juni 1942 im Lager Septfonds interniert, wo er am 7. September 1943 an Tuberkulose starb.

Wilhelm Raudnitzky, geb. 4. Juli 1909, mos., Maturajahrgang 1927
Er wurde am 17. August 1942 nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert und dort sofort nach der Ankunft ermordet.

Friedrich Rosenthal, geb. 9. Juni 1889, mos., Maturajahrgang 1908
Er war Schauspieler am Burgtheater, wurde nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich 1942 ermordet.

Friedrich Schulhof, geb. 2. November 1883, mos., Maturajahrgang 1901
Er wurde am 23. Oktober 1941 ins Ghetto von Lodz/Litzmannstadt deportiert und dort vermutlich ermordet.

Arthur Singer, geb. 18. Mai 1877, mos., Maturajahrgang 1899
Er wurde am 2. Juni 1942 nach Maly Trostinec bei Minsk deportiert und dort sofort nach der Ankunft ermordet.

Robert Subak, geb. 19. Juni 1879, mos., Maturajahrgang 1899
Er wurde am 26. Jänner 1942 nach Riga deportiert und dort sofort nach der Ankunft ermordet.

Egon Tauber, geb. 22. Mai 1916, mos., Maturajahrgang 1934
Er wurde nach Auschwitz deportiert und dort am 7. Juni 1942 ermordet.

Rudolf Weinberg, geb. 2. Oktober 1897, mos., Maturajahrgang 1920
Er wurde am 9. Oktober 1942 ins KZ Theresienstadt, von dort am 23. Jänner 1943 nach Auschwitz deportiert.

Lisbeth Weisz (od. Weiss), geb. 6. Jänner 1899, mos., Maturajahrgang 1917
Sie wurde am 9. April 1942 in das Ghetto Izbica bei Lublin deportiert und vermutlich im Sommer 1942 im Vernichtungslager Belzec ermordet.


Die ermordeten Lehrer des G19

Prof. Arnold Frankfurter, geb. 18. Dezember 1881
Er unterrichtete israelitische Religion vom 15.9. – 1.11.1930.
Außerdem war er der Rabbiner der Synagoge in der Dollinergasse (Wien 19.)
Er wurde am 5. September 1938 ins KZ Dachau deportiert, sein Todesort war das KZ Buchenwald am 10. März 1942

Dr. Prof. Salomon Zimmels, geb. 10. Februar 1873
Er unterrichtete israelitische Religion vom 16.2.1906 – 19.2.32.
Er wurde am 22. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und ist dort „verstorben“


 

Wolfgang Pauli wurde am 25. April 1900 in Wien geboren. Nach seiner Matura am Döblinger Gymnasium, wo er bereits als mathematisches Wunderkind bekannt war, ging er auf die Ludwig-Maximilians-Universität in München, auf der er unter Arnold Sommerfeld Physik studierte und bereits drei Jahre später promovierte. Er wurde einer der Begründer und führenden Vertreter der Quantenphysik. 1928 kam er schlussendlich auf die ETH in Zürich, wo er bis zu seiner Emigration 1935 in die USA blieb. Dort wurde er Professor in Princeton und nahm auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
1945 erhielt Pauli den Nobelpreis für Physik in Würdigung seiner Formulierung des Ausschließungsprinzips. Als er nach dem Ende des 2. Weltkriegs wieder nach Zürich zurückkehrte, nahm er auch die Schweizer Staatsbürgerschaft an und trieb die Gründung des CERN maßgeblich voran. Zu seinem Gedenken finden jedes Jahr Wolfgang Pauli Vorlesungen auf der ETH statt. Unter seinen Schülern wie auch Kollegen finden sich weltberühmte Größen wie Werner Heisenberg und J. Robert Oppenheimer.
Am 15. Dezember 1958 starb Pauli an einer Krebserkrankung in Zürich.

Richard Kuhn wurde am 3. Dezember 1900 in Wien geboren. In seiner Klasse am Döblinger Gymnasium war auch Wolfgang Pauli, der 1945 den Nobelpreis für Physik erhielt.
Kuhn studierte Chemie an den Universitäten Wien und München. Er war 1926 bis 1929 Universitätsprofessor für Allgemeine und Analytische Chemie an der ETH Zürich. Danach wurde er Leiter des Instituts für Chemie an dem neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut (seit 1950 Max-Planck-Institut) für medizinische Forschung in Heidelberg, 1937 übernahm er auch die Verwaltung dieses Instituts.
Kuhn erforschte „theoretische Probleme der organischen Chemie“ (Stereochemie der aliphatischen und aromatischen Verbindungen; Synthesen von Polyenen und Kumulene; Konstitution und Farbe; die Säure von Kohlenwasserstoffen) sowie ausgedehnte Felder in der Biochemie (Carotinoide, Flavine, Vitamine und Enzyme).
Für einen Zeitraum von zwanzig Jahren untersuchte Kuhn Verbindungen mit Doppelbindungen, welche sich als sehr interessant in Verbindung mit der Untersuchung der chemischen Natur erwiesen. Er entdeckte acht neue dieser Arten und schaffte es, ihre Strukturen zu analysieren. Er führte auch wichtige Arbeiten über das Vitamin B2 und das Vitamin B6 durch. Für seine Arbeit in diesem wichtigen Bereich wurde Richard Kuhn 1938 mit dem Nobelpreis der Chemie ausgezeichnet.
Kuhn erhielt zahlreiche weitere Ehrungen und Auszeichnungen in Anerkennung seiner Arbeit, außerdem erhielt er den Ehrendoktortitel der Technischen Hochschule in München (1960), der Universität Wien (1960), der Universität St. Maria, Brasilien (1961).
Kuhn war auch Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien, Gesellschaften und Organisationen in allen Teilen der Welt. Außerdem war er Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft und Herausgeber von „Liebigs Annalen der Chemie“. 
Richard Kuhn verstarb am 1. August 1967 in Heidelberg.

In dieser, von einem Schüler verfassten Kurzbiografie, wird nicht auf das Naheverhältnis Richard Kuhns zum Nationalsozialismus und zu NS-Verbrechen hingewiesen.
Der Antisemit Kuhn entließ bereits 1933 jüdische Mitarbeiter und denunzierte „nichtarische“ Kollegen. Er war Mitglied des NS-Lehrerbundes und ab 1938 „Führer“ der Deutschen Chemischen Gesellschaft“.

Ab 1943 arbeitete er an der Erforschung von Giftgasen. In diesem Zusammenhang war Kuhn über die Menschenversuche der Nationalsozialisten informiert. Am 27. Januar 1944 war er einer der Teilnehmer an der Mycel-Tagung im Reichsrüstungsministerium. Bei dieser Tagung wurde über Versuche berichtet, KZ-Häftlinge mit diesem Zelluloseabfallprodukt zu ernähren.

Kuhn war Namensgeber für die 1968 gestiftete Richard-Kuhn-Medaille, die alle zwei Jahre von der Gesellschaft Deutscher Chemiker verliehen wurde.

Im Jahr 2005 beschloss der Vorstand der Gesellschaft, diese Medaille nicht mehr zu verleihen, da sein Verhalten in der Giftgasforschung und gegenüber seinen jüdischen Kollegen in der Zeit des Nationalsozialismus Kuhn als Vorbild disqualifiziere.

Richard Frey wurde in einer jüdischen Familie am 11. Februar 1920 in Wien geboren und ging ab 1930 am Döblinger Gymnasium zur Schule, bis er im April 1938 kurz vor der Matura aufgrund der nationalsozialistischen Rassengesetze von dieser Schule ausgeschlossen wurde. Er maturierte am G 9 in der Wasagasse, die eine sogenannte „jüdische Sammelschule“ war.
Da ihm die Verhaftung durch die Gestapo drohte, floh er aus Österreich und gelangte über Umwege 1939 nach China. Dort schloss er sich dem Widerstand gegen die japanische Armee an. 1944 wurde er Mitglied in der Kommunistischen Partei Chinas. In Folge darauf arbeitete er als Arzt an der Front der Roten Armee und bildete zusätzlich sanitäre Hilfskräfte aus. Nach Gründung der Volksrepublik China 1949 blieb er dort und nahm 1955 gemeinsam mit rund hundert weiteren Ausländern die chinesische Staatsbürgerschaft an.
In seinem Beruf spezialisierte er sich zunehmend auf die Seuchenbekämpfung und wurde 1962 Berater für dieses Gebiet an der Chinesischen Medizinischen Akademie. 1983 war er einer der elf ehemals ausländischen Experten, die von der KP zu Mitgliedern der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes ernannt wurden. Ab 1987 leitete Richard Frey die Einrichtung der ersten Computerdatenbank für medizinische Fachartikel in China.
Am 16. November 2004 starb Richard Frey in Peking und am 21. Februar 2006 wurde für ihn eine Gedenktafel am Döblinger Gymnasium enthüllt. Sie beinhaltet auch einen Text von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.

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