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thumb_prag8aEindrücke aus Prag (13. bis 16. Oktober 2010)

von Gregor Schima

Die Welt im Wandel der Zeit

Vor einigen Jahren noch hätte ich eine Pragreise, wäre ich sie überhaupt angegangen, ganz anders vorbereitet. Statt Kafka und Rilke im Handgepäck hätte ich die Ritzen meines Koffers wohl mit einem Mindestheil westlicher Konsumgewohnheiten ausgestopft und Banknoten in jede geeignet verborgene Ritze genestelt, also zumindest ein paar jener Güter im Geheimen mitgeführt, welche mir die ums kulturelle Heil des Volkes besorgte Regierung der CSSR als Auswüchse eines kontaminierenden Amerikanoimperialismus gründlich ausgetrieben hätte.

Als Reisemittel wäre wohl nur das Auto in Frage gekommen, bietet es doch reichlich fugenhaften Platz, um ebenjene illegale Fracht des Konsumfaschismus sicher am zur Abschirmung solcher Laster angebrachten Schutzwall, liebevoll-poetisch „Eiserner Vorhang“ genannt, vorbeizuschaffen. Die Bestechung der Grenzbeamten hätte ich mit Bananen und anderen Lebensmitteln vorgenommen, die, obgleich bei uns zu alltäglicher Normalität geworden, in den kommunistischen Ländern unerreichbare Exoten blieben. Mit derartigen Köstlichkeiten zur Gutstellung bei der zuständigen Grenzbehörde soll man sogar nach Russland mit dem Fahrrad gekommen sein und so dauerte es nicht lange, bis diese Kunst der sicheren Abfertigung zum beliebten Sport unter abenteuerlustigen Weltenbummlern wurde, welche den völlig inversen Kosmos, der sich ihnen oft schon einen Spalt breit von ihrer Haustür entfernt eröffnete, als Spielplatz für große Kinder verstanden. Berichtet wurden diese Selbstschmuggelungen durch Osteuropa mit geradezu münchhausenhafter Hingabe und dick aufgetragener Erzählpolemik, doch entsprach das zum Besten Gegebene den in der Realität angestellten Neckereien. Die Staaten des Warschauer Paktes glichen mit ihrer hoffnungslosen, vermeintlich auf die Masse zugeschnittenen Kontrollpolitik Bananenrepubliken, die Kinder sich im Sandkasten entwerfen. Alles steht und fällt mit der Idee, der einen Idee, der riesigen Idee, dem ultimativen, allzu menschlichen Konzept, das die Menschheit am Ende doch zu Ameisen degradierte. In Marx stieg ein Gedanke auf, ein plastischer Gedanke, ein monströser Gedanke, welcher alle Menschen dereinst vom Übel ihrer Gesellschaft befreien sollte; es stand dieser Gedanke, verewigt in einer Ideologie, einer neuen, riesigen, entfesselnden Ideologie der Menschheit für die Menschheit dieser Gedanke hoch am Himmel des Denkens und der Wünsche. Er stand und er fiel, fiel durch jene, die ihn realisierten. Die Schriften des Karl Marx wurden zwar nicht vom Staub des Vergessens bedeckt, es hängt jedoch ein gewisser Bannschleier über dem, was er im Geiste schuf, hat man aus der Geschichte doch gelernt, dass seine Theorien nicht umsetzungsfähig waren, jedenfalls nicht so, wie es seine Ideen vorgesehen hätten, die noch immer auf geduldigem Papier die Realität erwarten und sich dabei doch immer weiter von ihr entfernen.

Den gesamten Artikel können Sie hier downloaden: Pragreise der 8a

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